Die Scheidung ist perfekt – drum prüfe wer sich ewig bindet?!

Am 10. Dezember ist es nun so weit. Time Warner bringt seine schon im Jahr 2003 degradierte Tochtergesellschaft „AOL“ als eigenständiges Unternehmen an die Börse. Dabei war es Anfang 2000 AOL, welche das nach damaligen Umsätzen (aber nicht nach Aktienwerten) größere Medienunternehmen mit eigenen Aktien einen Antrag machte und zu „AOL Time Warner“ fusionieren wollte. AOL hatte in der Hochzeit der „New Economy“ einen Marktwert von rund 165 Milliarden US Dollar (Time Warner „nur“ 83 Mrd. USD). Zusammen wurden sie nach der Fusion mit 350 Mrd. USD am Markt bewertet.

Ziel der Fusion war es, die Vorteile aus der Konvergenz von Medien (Time Warner) und Telekommunikation (AOL) als integriertes Unternehmen auszunutzen. Dass diese Vorteile auch von den Marktakteuren gesehen wurden zeigte sich daran, dass der Kurs von AOL auch nach dem Übernahmeangebot weiter zunahm.

Jedoch schon ein Jahr später, als die „Dotcom Blase“ zerplatzte, stellte sich Ernüchterung ein und im Jahr 2002 musste „AOL Time Warner“ nach einer Wertabschreibung rund 99 Mrd. USD Verlust verbuchen. Im Jahr 2003 wurde das Unternehmen nur noch unter „Time Warner“ firmiert und die Unternehmensstrategie auf die „alten“ Medien ausgerichtet. AOL war lediglich nur noch eine Tochtergesellschaft. Zurzeit wird „Time Warner“ nur noch mit rund 37 Mrd. US Dollar (AOL rund 3,5 Mrd. USD) am Markt bewertet.

Was war passiert? Die Konvergenz von Medieninhalten und Internet ist doch die aktuelle und zukünftige treibende Kraft des Internets. Synergieeffekte wurden nicht ausgenutzt. Mit der Tochtergesellschaft Compuserve hatte AOL eine hervorragende Stellung im Internetzugangsmarkt. Jedoch in der Zeit, in der sich die Nutzer noch mit einem Modem in das Telefonnetz einwählten und die Übertragungsgeschwindigkeit mit 56kbit/s sehr gering waren. Die Breitbandwelle der letzten Jahre wurde verschlafen obwohl mit „Time Warner Cable“ eine Kabelnetz-Firma im gleichen Konzern vorhanden war. Zusammen hätten die beiden Unternehmen durchaus den großen Breitbandanbietern Paroli bieten können.

Wie können ein Onlinedienst und ein Medienunternehmen zulassen, dass Portale wie YouTube und clipfish entstehen können und zudem so erfolgreich sind. Auch die internetbasierten sozialen Netzwerke wie Facebook wurden vernachlässigt. Hier hätte AOL mit seinem instant Messaging Dienst „ICQ“ den sozialen Netzwerken doch einiges entgegensetzen können. Zudem scheint auch AOL mit „Cloud computing“, bei dem der Nutzer alle für ihn wichtige Funktionen (eMail, Kalender, Dateiverwaltung, Dateibearbeitung,…) webbasiert bei einem Online Anbieter benutzen kann, den nächsten Trend zu verschlafen. Zwar wurden ähnlich Funktionen auch von AOL angeboten aber nicht in dem Umfang und Durchsetzung wie Google (Marktkapitalisierung: 180 Mrd. USD).

So bleibt zu sagen: Idee der Fusion – sehr gut, Umsetzung der Zusammenarbeit ungenügend.

Hintergrundmusik: Eagles – Hotel California

Thomas Fahrig

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2 Kommentare

  1. Ja da gebe ich Dir Recht, dass die nicht kostendeckend arbeiten. Jedoch sind sie auf einen guten Weg, ein geeignetes Geschäftsmodell (einbinden von Werbevideos…) zu erarbeiten.
    Trotzdem hat Time Warner die Zeit verschlafen. So ist es doch einfacher innerhalb eines Unternehmens durch Quersubventionierung neue Bereiche zu finanzieren (zudem sie schon die Kompetenzen haben). Newcomer sind doch vor allem auf die Wagniskapitalgeber angewiesen, bei denen sie die Klinken putzen müssen. Zudem die Kapitalgeber nach dem Platzen der Blase auch nicht angestanden hatten, um ihr Geld in neue Start up New Economy… Unternehmen zu investieren.
    Ich denke sogar, dass das Problem darin besteht, das sich Time Warner (wie auch andere Unternehmen) vorrangig auf die Status Quo Erhaltung versteift hat, anstatt die wirklichen Gefahren zu sehen. So dachten sie doch alle und denken zum Teil noch heute so, dass im Internet mit ein paar Klagen Tabula Rasa gemacht werden kann und sie dann das alte Geschäftsmodell fortsetzen können (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Medienkonzerne-setzten-YouTube-wegen-Urheberrechtsverletzungen-unter-Druck-171811.html). Eine der vielen Managementweißheiten lautet doch (so oder so ähnlich): „Es ist besser sich selbst zu kannibalisieren, als dies anderen zu überlassen“. Aber dafür brauchen die Unternehmen natürlich Wagemut.

    Auf Jahre hinterher rennen, ist allerdings falsch gedacht. Wir haben hier ein so dynamisches Wettbewerbsumfeld, dass kann nächstes Jahr wieder ganz anders aussehen. Wenn Google so denkt (oder vielleicht auch zu groß wird) ist Feierabend. Das entscheidende ist hier neue Trends zu erzeugen, richtig einzuschätzen und auszubauen und darin ist Google (im Gegensatz zu anderen Unternehmen) zurzeit optimal aufgestellt.

  2. Man muss dazu aber beachten, dass die angesprochenen Dienste wie Youtube oder Clipfish momentan (seit fast 5 Jahren) noch immer nicht kostendeckend arbeiten. Youtube ist aber wahrscheinlich ein weiteres gutes Mittel für Google Statistiken z.B. über Musikgeschmack und ähnlichem zu erheben.
    Grundlegend fehlte natürlich ein Konzept. Nachfolgend aber auch Geld was in diese Projekte zu investieren ist. Man hätte es aus dem "alten" Medienbereich abziehen müssen. Ohne ein annähernd gutes Produkt/Konzept wie GoogleAdwords hat kein Unternehmen die Chance soviel zu erreichen wie Google. Sie werden auf Jahre immer nur hinterher rennen.
    Mit dem Platzen der Dotcom Blase ist wahrscheinlich soviel Geld weggebrochen, dass sich AOL-Time Warner nie mehr davon ehrolt hat. Googles IPO war ja erst nach dem Crash der New Economy.

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