Rupert Murdoch gegen den Rest der Welt?

Rupert Murdoch macht ernst! Nachdem der Medienmogul schon mehrfach seinen Unmut über die „Gratiskultur“ im Internet geäußert hat, sollen nun die Onlineangebote der „Times“ und der „Sunday Times“ komplett kostenpflichtig werden. Der Zugang zur Webseite soll, laut Medienberichten, umgerechnet knapp einen Euro pro Tag kosten. Dies entspricht in etwa dem Preis der Printausgabe der Times.

Das Konzept Informationen und Inhalte im Internet nur gegen Bezahlung anzubieten ist indes nicht neu. Das Wall Street Journal, auch Teil der News Corp., schaffte es, als eine der wenigen Zeitungen, online kostenpflichtige Inhalte anzubieten und damit auch erfolgreich zu sein. Dennoch bleibt es interessant zu sehen, wie die Leser der Times auf diesen Schritt reagieren werden. Es wird sich zeigen, ob Rupert Murdoch die Zeichen der Zeit richtig deutet und tatsächlich eine Abkehr von der Gratismentalität bevorsteht oder ob sich die derzeit häufig zu beobachtende starke Gratispräferenz der Konsumenten durchsetzen wird.

Große Sorgen, dass ich morgens nicht mehr durch spiegel.de, bild.de, sueddeutsche.de oder ähnliche Seiten browsen kann oder dafür zukünftig tatsächlich Geld bezahlen muss mache ich mir deshalb aber nur wenig. Wahrscheinlich würde ich einfach das kostenpflichtige durch ein anderes kostenloses Angebot ersetzen oder einfach darauf verzichten. Die Informationen müssten schon sehr exklusiv oder zumindest außergewöhnlich gut aufbereitet sein, dass ich Rupert Murdoch meine Kreditkartennummer anvertrauen würde.

Sollte Rupert Murdoch’s Gespür für Medien jedoch richtig sein und würden zukünftig alle Online Nachrichtenangebote kostenpflichtig werden, würde dies natürlich meine morgendliche Büroalltag-Anfangsroutine schon erheblich beeinträchtigen. Übrig bliebe immer noch ein schier unerschöpflicher Strom aus Tweets, Statusupdates und Blogeinträgen die mit Sicherheit interessant und meist auch sehr amüsant sind, ein vergleichbares Substitut wären sie aber sicherlich nicht.

Es blieben dann die Möglichkeiten sich tatsächlich für ein oder zwei Angebote zu entscheiden und den Preis zu bezahlen, sich ernsthaft Gedanken über ein neues Zeitungsabonnement zu machen, um so die Vorteile einer realen Zeitungen zu würdigen oder eben weniger gut informiert durch die Welt zu gehen. Den Arbeitgeber würde es bestimmt auch freuen, wenn Online-Nachrichten lesen durch mehr Arbeit ersetzt werden würde – schöne neue Welt!

Bleibt die Frage, wie die Werbeindustrie darauf reagieren würde. Zwar sind ihr Online User weniger wert als Printmedienleser aber die Reichweite und Aufmerksamkeit würde wohl deutlich zurückgehen. Würde sich dann ein Anbieter finden, der seine Inhalte trotzdem kostenlos zur Verfügung stellt und somit wahrscheinlich viele der Bezahlmuffel und heimlich-bei-der-Arbeit-Leser auf sich ziehen würde, wäre die Seite bestimmt eine interessante Werbeplattform. Ob dies allerdings ausreicht ein qualitativ hochwertiges Angebot vollständig zu finanzieren bleibt abzuwarten. Rupert Murdoch’s Meinung dazu dürfte eindeutig ausfallen.

Jürgen Rösch

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