ARD plant gebührenfinanziertes Smartphone-App

Seit langem klagen viele Zeitungsverleger über sinkende Einnahmen: Die Verkäufe von Zeitungen schwinden. Dies hat für die Zeitungsverleger einerseits geringere Umsätze durch Zeitungsverkäufe zur Folge. Andererseits werden die Zeitungen durch die geringere Reichweite für Werbekunden unattraktiver, wodurch auch die Werbeeinnahmen sinken. Onlineportale von Tageszeitungen sorgen zwar zum Teil für eine erhebliche Anzahl an Visits (WELT ONLINE konnte im November 2009 beispielweise knapp 25 Mio. Visits generieren, vgl. IVW), die Werbeeinahmen können die Verluste aus den sinkenden Zeitungsverkäufen aber nicht ausgleichen.

Neben dem „traditionellen“ Internet eröffnen sich durch den vermehrten Gebrauch von Smartphones wie dem iPhone oder dem Blackberry nun aber möglicherweise neue Erlösquellen für Zeitungsverleger. Besitzer eines solchen Hightech-Handys können jederzeit und überall die neuesten Nachrichten aus dem Internet abrufen und (fast) jegliche andere Erledigungen im Internet machen. Der Axel Springer-Konzern hat das mobile Internet als potenzielles Geschäftsfeld entdeckt und iPhone-Anwendungen (sogenannte „Apps“) für die Zeitungen BILD und WELT als Abo-Modelle vorgestellt. Abonnenten der BILD-App soll für einen Einstiegspreis von 0,79 Euro für die ersten 30 Tage Funktionen und Services wie Push-Nachrichten, ein Fußball-Ticker oder das aktuelle Wetter geboten werden.

Neben den privaten Zeitungsverlegern geht nun aber auch die ARD in die Offensive und plant ein tagesschau-App für das iPhone. Dies berichten FAZ.NET, Spiegel Netzwelt und der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Im Gegensatz zur BILD-App soll die für das kommende Frühjahr geplante Applikation für Smartphones allerdings vermeintlich kostenlos angeboten werden. Kostenlos allerdings nur dahingehend, dass keine direkte Gebühr für den Gebrauch erhoben wird. Finanziert wird die Applikation durch Rundfunkgebühren, einer Zwangsabgabe (mit einer Senkung dieser ist sicherlich nicht zu rechnen). Von „kostenlos“ kann demnach nicht die Rede sein.

Neben den vom Verbraucher zu entrichtenden Rundfunkgebühren sind die marktlichen Auswirkungen auf die anderen Inhalteanbieter zu berücksichtigen. Diese experimentieren derzeit ähnlich dem Axel Springer-Konzern und sind auf der Suche danach, wie sie das mobile Internet als Geschäftsmodell für sich nutzen können. Ein kostenloses und dazu werbefreies öffentlich-rechtliches Angebot ist dabei für einen funktionierenden Wettbewerb zwischen den verschiedenen Inhalteanbietern sicherlich hinderlich. Denn ein öffentlich-rechtliches Smartphone-App verzerrt die marktlichen Ergebnisse: Einerseits verlieren private Anbieter Marktanteile und somit Werbe- bzw. Aboeinnahmen. Andererseits werden manche Anbieter möglicherweise durch ein kosten- und werbefreies öffentlich-rechtliches Angebot davon abgeschreckt, in den Markt einzutreten. Die Produzentenrente der Inhalteanbieter sinkt demnach. Der verringerte Wettbewerb geht wiederrum zu Lasten der Konsumentenrente. Diese steigt zwar zunächst durch die Bereistellung der kostenfreien tagesschau-App. Dem Verbraucher wird aber zum einen durch fehlende Markteintritte weniger Vielfalt am Markt geboten und zum anderen muss dieser wegen dem geringeren Wettbewerb höhere Preise für private Angebote entrichten.

Analog zu den traditionellen öffentlich-rechtlichen Onlineangeboten wie tagesschau.de oder sportschau.de stellt sich also die Frage, ob ein staatlich bereitgestelltes, gebührenfinanziertes Nachrichtenangebot für Smartphones überhaupt notwendig ist. Bislang gibt es keine Anzeichen für ein Marktversagen für Smartphone-Apps. Ein solches öffentlich-rechtliches Onlineangebot für Smartphones kann demnach als nicht gerechtfertigt bezeichnet werden und sollte überdacht werden.

Thomas Jaschinski

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Thomas Jaschinski
Dipl.-Ökonom Thomas Jaschinski Technische Universität Ilmenau Institut für Volkswirtschaftslehre Fachgebiet Wirtschaftstheorie Ernst-Abbe-Zentrum Ehrenbergstraße 29 98693 Ilmenau Zi. 2232 Postfach 10 05 65 98684 Ilmenau Tel.: +49 3677 69 4070 Fax: +49 3677 69 4203 E-Mail: thomas.jaschinski@tu-ilmenau.de Sprechzeit: Dienstag, 14.00 - 15.00 Uhr - und nach persönlicher Absprache Wissenschaftlicher Werdegang * Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Wirtschaftstheorie Forschungsschwerpunkt * Medienökonomie

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