Mittel gegen „Raubkopierer“ entdeckt!

Jahrelang wurden sie für die „Zerstörung“ der Musik- und Filmindustrie verantwortlich gemacht. Die Raubkopierer! Zum Teil auch als Parasiten benannt, wurden hinter ihnen Jugendliche gesehen, die sich, vor und nach der Schule, über P2P-Netzwerke oder Dateiaustausch-Webseiten „illegal“ Musik und Videos beschaffen und verteilen und somit für den Verlust von Arbeitsplätzen verantwortlich gemacht werden.

Gegen das Raubkopieren wurde nun ein Mittel entdeckt. Das Medikament lautet: Streaming.

So kommen die beiden Marktforschungsunternehmen Trendstream und Lightspeed, laut Techcrunch, in ihrem „Global Web Index“ sowie eine von moneysupermarket.com in Auftrag gegebene Studie zu dem Ergebnis, dass durch das Streaming Angebot von Medien (Filme, Musik) die sogenannten Raubkopien eingedämmt werden können. So wird in beiden Studien aufgezeigt, dass sich die besonders aktiven Internetnutzer weg von dem Herunterladen von Musik und Videos hin zum streamen dieser orientieren.

Der Vorteil liegt klar auf der Hand. Die Nutzer benötigen keinen Speicher mehr, auf die sie ihre private Musik speichern und welcher zu jeder Gelegenheit mitgenommen werden müsste. Das einzige, was nun nur noch benötigt wird, ist ein internetfähiges Abspielgerät von Videos und Filmen (natürlich mit Internetverbindung). Nahezu alle Musikstücke können dann über Portale wie Youtube, Spotify,… sofort abgerufen werden.

Für die Medienindustrie liegt der Vorteil darin, dass sie durch das Schalten von Werbung Einnahmen erzielen können, welche die geringeren Erlöse aus den Verkaufszahlen ausgleichen bzw. vermindern würden. Zudem hätten sowohl die Industrie als auch die Freunde der Statistik genauere Zahlen über die Verbreitung einzelner Titel. Das Problem ist aber, dass die Musikindustrie nicht selber auf den Trichter gekommen ist, sondern dass das Geschäft anderen überlassen wurde (ähnlich wie bei Apple und ihrem iTunes). Zudem wurden bisher schon viele Juristen beschäftigt, welche die Streamingangebote unterbinden sollten (vgl. Spiegel und Mediapost). Somit befinden sich diese Angebote zurzeit noch in der rechtlichen Grauzone (Spotify ist in Deutschland zurzeit nicht nutzbar).

Zu hoffen bleibt, dass sich die Beteiligten darauf einigen können, den Kuchen gerecht zu verteilen (und hier). Der leittragende wäre ansonsten der Kunde, der nicht das bekommt, was er gerne will – schnell und einfach, erstklassige Musik und Videos.

Hintergrundmusik: Die Ärzte – Tu Das Nicht

Thomas Fahrig

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5 Kommentare

  1. Ich sehe Streams eher als gute Möglichkeit für „Raubkopierer“ einfach an Musik etc. zu kommen, ohne sich auf illegalen Tauschbörsen rumzutreiben. Streams lassen sich geringem Aufwand speichern. Somit müssten die sog. „Raubkopierer“, keine Werbung ansehen und könnten ihre Lieblingsmusik kopieren und später immer wieder abrufen – ohne dabei schmutzige Spuren im Internet zu hinterlassen.
    Aber ich bin sicher einen kleinen Teil der „Alltags-Raubkopierer“ wird das wachsende Streamangebot vom klassischen Filesharing weglocken und die finanziellen und personellen Verluste der Branche etwas schwächen.
    Vielmehr als ein Mittel gegen die sog. „Musikpiraterie“, sehe ich Streaming kombiniert mit Werbung als Zukunft des Fernsehens.

  2. Ich denke die Zukunft des Musikkonsums liegt eindeutig im Bereich des Streamings. Der Trend geht zum Cloud-Computing, Daten sind überall nur nicht mehr lokal. Die MP3 auf der lokalen Festplatte ist das Vinyl von morgen. Dienste wie spotify schießen zur Zeit wie Pilze aus dem Boden. Steereo, radionomy, deezer, finetune, goom radio, aupeo!, slacker, grooveshark, radiomee nur um ein paar Beispiele zu nennen. Ein Großteil von ihnen hat Deals mit den vier großen Labels, aber auch vielen kleinen Independent- Anbietern, wodurch riesige, kostenlose, werbefinanzierte, lead- generierende Datenbanken mit Musik aus allen denkbaren Genres entstehen. Der Nutzer kann rund um die Uhr und von jedem Ort der Welt mit Internetverbindung auf die Datenbanken zugreifen (spotify: 6,5 Millionen Tracks) und seine Playlisten erstellen. Selbst mit dem Smartphone sind diese Dienste über Apps verfügbar. Wozu also noch seine Festplatte mit MP3 zumüllen und absolut unflexibel sein? Ich sehe das Streamen nicht als Mittel gegen Raubkopierer, sondern als eine natürliche Marktentwicklung, als die vielleicht letzte Chance für die Musikindustrie, die Fehler der letzten Jahre wieder auszubügeln und einen Markt entstehen zu lassen, wo Anbieter und Nachfrager gleichermaßen zufrieden gestellt werden. Eine CD habe ich schon lange nicht mehr gekauft. Aber für einen Premiumdienst, der mir werbefreien Zugriff auf so viele Alben gibt wie ich sie mir niemals hätte kaufen können und dazu auch noch in bester Qualität, bin ich gerne bereit meinen freiwilligen, monatlichen Obulus zu entrichten.

  3. Der Artikel hat mir sehr gut gefallen. Was man bei der Planung der Gegenmaßnahme gegen Raubkopierer nicht außer acht lassen sollte, ist die Kreativität eben dieser. Schaut euch nur mal an was mit ein bisschen Marketing hier geschafft wurde: http://www.laut.de/vorlaut/news/2009/12/21/23987/index.htm
    Rage Against the Machine stehen wieder an der Spitze und das nur aus reinem Protest. Wenn die Musikindustrie was verbessern will, sollte sie sich am "Feind" mal ein Beispiel nehmen. Es gibt zwei Arten der Kontrolle. Man verbietet etwas oder man erlaubt gezielt etwas (siehe Creative Common License). Da ließe sich doch bestimmt etwas Intelligentes draus machen.

  4. Den ersten beiden Punkten kann ich vollends zustimmen.

    Bei dem letzten Punkt würden wir jetzt aber ein ganz schönes Fass aufmachen, was schließlich nur Musikwissenschaftler (oder ähnliche) beantworten können.
    Mann sieht nun auch wieder zur Weihnachtszeit, wie viele "Best of", "Greatest Hits",…-CDs herausgebracht werden, bei der vielleicht ein neues Lied enthalten ist. Solche Angebote zielen doch nur darauf ab Kasse zu machen. Aber nicht nur die Musikindustrie sondern auch die Künstler müssen mitmachen. Sie sind ja schließlich die Produzenten der Inhalte, welche ihre Rechte an die Musiklabels verkaufen.
    Positive Beispiele gibt es da natürlich wie Coldplay welche schon mal einzelne Lieder oder ein ganzes Album kostenlos im Internet anbieten.

    Mir fällt aber gerade noch eine Besuch des genialen Helge Schneider in der Sendung "TV Total" von Stefan Raab ein, als Stefan Raab Helge Schneider quasi ausgelacht hat, dass er gleichzeitig ein Buch, eine Kinofilm und eine CD veröffentlicht hat. Stefan Raab hätte das anscheinend verteilt, um noch mehr Profit raus zuschlagen. Daran sieht man ganz gut die gegensätzlichen Pole bei den Künstlern.

  5. Schöner Artikel. Das mittlerweile das Thema "Streaming" für viele Medienunternehmen interessant wird begrüße ich sehr. Die Zweitverwendung eigen produzierter Inhalte wie z.B. bei RTLnow/Voxnow kann für die Fernsehsender eine weitere Einnahmequelle sein (durch Werbung in den Streaming Formaten).

    Auch das Abspielen von Youtube Videos führt oftmals zum Kauf des gehörten Titels. Hier fehlt noch die Verlinkung direkt im Video zu z.B. Amazon.

    Generell muss ich aber sagen, dass speziell die Musikindustrie wieder glaubhaft werden muss und Leidenschaft verkörpert. Mit Musik wird eben das verkauft. Gefühle, Leidenschaft, Verbindung mit tollen Momenten uvm. Sicherlich steht bei der Branche die Monetarisierung im Vordergrund aber der Kunde möchte davon nichts mitbekommen. Digitale Güter leben von einer "gelebten" Dienstleistungsbereitschaft von Seiten der Unternehmen.

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