Medien – Märkte – Meinungen

M-Blog

Ralf Dewenter Welcher Schaden entsteht eigentlich durch illegalen Download?

, am 4. Dezember 2009 um 12:07

Dass die Schäden durch illegalen Download von Musik (oder anderer Software) nicht einfach dadurch berechnet werden können, indem man die heruntergeladenen Stücke und Alben zu Marktpreisen berechnet ist klar. Nicht jeder, der sich Musik illegal über das Internet besorgt, würde diesen Preis tatsächlich bezahlen, gäbe es die Möglichkeit des Downloads nicht. Ganz im Gegenteil, ein gewisser Prozentsatz der sogenannten Musikpiraten hat vermutlich nur eine sehr geringe Zahlungsbereitschaft für die heruntergeladenen Stücke.

Trotzdem – so sollte man annehmen – entsteht dennoch ein nicht unerheblicher Schaden durch die Piraterie. Dieser Schaden betrifft vielleicht nicht so sehr die Musiker selbst. Diese reagieren schon seit einiger Zeit mit einer Verlagerung der Einnahmen in den Bereich der Konzerte und des Merchandisings. Die Musikindustrie, in Form von Produzenten der Alben, haben jedoch in den letzten Jahren wohl deutliche Gewinneinbußen hinnehmen müssen. Auch die Musikindustrie muss sich also den neuen Gegebenheiten anpassen. Dies ist zum einen möglich, indem die Verträge mit den Musikern auf andere Bereiche ausgeweitet werden, um an weiteren Einnahmen zu partizipieren. Zum anderen könnte jedoch auch über neue Geschäftsmodelle nachgedacht werden.

So hat z.B. Peter Bradwell vom Londoner Think-Tank Demos in einer Umfrage festgestellt, dass Musikpiraten gleichzeitig auch deutlich mehr als der Durchschnittskonsument für Musik in Form von CDs etc. ausgeben. Zumindest ein Teil der Personen, die illegal downloaden, hat anscheinend eine besonders hohe Zahlungsbereitschaft für Musik. Das Herunterladen der Titel und Alben könnte so zum Beispiel das „Anspielen“ in Plattenläden ersetzen, um festzustellen, welche Musik tatsächlich gekauft werden soll. Mögliche Strategien werden bereits seit einiger Zeit diskutiert, wie zum Beispiel das Versioning, bei dem unterschiedliche Qualitäten zu unterschiedlichen Preisen (im Falle des Sampling auch kostenlos) abgegeben werden. Bradwell schlägt darüber hinaus vor, die Preise für die legalen Online-Versionen der Musik zu reduzieren, um somit die Gewinne über geringere Preise bei größeren Mengen zu steigern.

Tatsächlich, so scheint es, könnte eine Reduktion der Preise für den Online-Kauf die Nachfrage erhöhen. Der Preis pro Musikstück liegt z.B. im itunes store bei 0.99 Euro (einzelne Hits liegen bei 1.29 oder 1.39 Euro). Damit liegt komplettes Album (mit 10-12 Stücken) teilweise nur knapp unter dem Ladenpreis. Bei der Offline-Version sind aber die CD, das Jewel Case und das Booklet schon enthalten. Eine stärkere Preisdifferenzierung, wie auch eine Preissenkung könnte eine sinnvolle Strategie sein, deutlich mehr Musik über das Internet zu verkaufen, ohne dabei das Offline-Geschäft zu stark zu gefährden.

Ralf Dewenter

Share and Enjoy:
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • email link Welcher Schaden entsteht eigentlich durch illegalen Download?
  • Twitter

Abgelegt unter Allgemein

3 Reaktionen zu “Welcher Schaden entsteht eigentlich durch illegalen Download?”

  1. Thomas Jaschinski

    Betrachtet man die marktlichen Kennzahlen von PC-Downloads, scheinen die Strategien in der Vergangenheit tatsächlich wirksam gewesen zu sein. Allein in den letzten drei Jahren haben sich die Umsätze mit PC-Downloads fast verdoppelt.

    http://www.bitkom.org/61756_61754.aspx

  2. Enrico Brandt

    Dass die "Musikindustrie" nebenbei auch noch fröhlich Filesharer abmahnt sei auch noch zu erwähnen.
    Sie verdienen damit nämlich das 150-fache, was sie bei einen normalen Download vergleichsweise verdienen würden… Da kann man getrost von der Contentmafia sprechen.
    http://gulli.com/news/digi-rights-solutions-2009-10-17

    Das sie nebenbei auch noch per (sogar erfolgreicher!) Lobbyarbeit unsägliche Gesetze auf den Weg bringen (Hadopi – Frankreich, Zugangserschwerungsgesetz -> mit die ersten, die es auf Urheberrechtsverletzungen erweitern wollten) ist auch noch ein Punkt, warum das alte Modell der Plattenlabels kurz oder lang nicht mehr funktionieren wird.
    Warum sollte sich ein Künstler denn bei Sony (etc.) anmelden oder der GEMA beitreten, wenn er im Web 2.0 und auf Konzerten leicht Geld verdienen kann?

    Außerdem gibt es zZ viele neue Projekte, welche neue Vertriebswege im Internet suchen (Spotify etc), es wird sich schon etwas etablieren.
    Da im WWW doch eine Gratiskultur herrscht (verkürzt: "Das Wesen des Internets ist die Kopie") wird man sehen müssen, ob sich die Labels sich etwas ausdenken können (DRM hat ja nicht geklappt)

  3. Ralf Dewenter

    Die Abmahnung von Filesharern kann man der Industrie natürlich nicht ganz verdenken. Auf der einen Seite stehen die ökonomischen Überlegungungen, wie im Beitrag dargestellt. Auf der anderen Seite stellt ein illegaler Download immer noch einen Verstoß gegen geltendes Recht dar. Ob dieses Vorgehen auf Dauer ökonomisch sinnvoll ist, bleibt dahin gestellt.

    Zur Frage, inwiefern es eine "Gratiskultur" im Netz gibt, finden Sie in diesem Blog ja den einen oder anderen Beitrag. Ich denke, da lässt sich ebenfalls treffend diskutieren.

Einen Kommentar schreiben