3.2.1… Na endlich: Bundeskartellamt untersucht die Paypal Pflicht bei eBay!

Laut FAZ.NET und der Wirtschaftswoche untersucht das Bundeskartellamt die Paypal Pflicht bei eBay. Zahlreiche Kunden haben sich über diese Pflicht beschwert. Der Grund ist, dass neuen privaten Verkäufern (mit weniger als 50 Bewertungspunkten) die Pflicht auferlegt wird, Paypal zu nutzen. eBay begründet dies mit Käuferschutz und der Gestaltung einer sicheren Plattform. Zudem sind auch Verkäufer dazu verpflichtet, Paypal zu nutzen, wenn sie die von eBay auferlegten Mindeststandards nicht erreichen. Die Mindeststandards werden durch die Bewertungen/ Detailbewertungen und Fälle (d.h. solche, bei denen nicht bezahlt/geliefert wurde oder der Artikel von der Beschreibung abweicht) bestimmt. Jedoch sind diese Mindeststandards nicht objektiv veröffentlicht und vom Verkäufer nicht nachvollziehbar.

Bei Paypal handelt es sich um ein online Bezahlungssystem (Micropayment System), welches zur Abwicklung der Geldtransaktion zwischen zwei Transaktionspartnern dient. Dabei wird das Geld vom Sender an Paypal als Treuhänder überwiesen. Der Empfänger bekommt dann eine Nachricht, dass das Geld auf sein Paypal Konto überwiesen wurde. Der Empfänger muss eine Gebühren bezahlen: bis 5000 Euro 1,9% des Überweisungsbetrages + 0,35 Euro. Paypal wurde im Oktober 2002 von eBay übernommen und stellt das einzige online Bezahlsystem, neben der Überweisung und dem seltenen Fall der Barzahlung, bei eBay dar. Das heißt, andere Bezahlsyteme wie zum Beispiel „ClickandBuy“ sind nicht erlaubt.

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eBay hat in Deutschland im Bereich der privaten Auktionen eine marktbeherrschende Stellung mit einem Marktanteil von annähernd 99 Prozent. Für private Anbieter sind Festpreisangebote (wie sie bei Amazon möglich wären) nicht besonders geeignet, da sie über den Wert bestimmter Güter nicht genügend Informationen besitzen. Es könnte nun vermutet werden, dass eBay versucht, diese Stellung zu missbrauchen, indem der angrenzende Markt der online Bezahlsysteme „monopolisiert“ werden soll. eBay könnte versuchen, die hohen Nutzerzahlen bei den Auktionen in Nutzer von Paypal umzuwandeln. Ist ein Nutzer erst einmal bei Paypal angemeldet wird er es zweimal überlegen, ob er sich zusätzlich noch für ein anderes Bezahlsystem entscheidet. Das bedeutet, dass es anderen Bezahlsystemen schwer gemacht wird, Kunden zu akquirieren und somit nicht von einem fairen Wettbewerb gesprochen werden kann. Des Weiteren handelt es sich bei den Bezahlsystemen um eine Plattform (zweiseitiger Markt). Das führt dazu, dass aufgrund der Netzeffekte für Online-Shops ein Anreiz  besteht, Paypal als Bezahlsystem zu verwenden, da schon eine breite Kundenbasis (eBay Kunden) vorhanden ist. Dies führt dazu, dass die Konzentration in diesem Markt  zunimmt und eine Tendenz zum Monopol besteht. Ob jetzt nun der beste Anbieter im Markt „gewinnt“, ist bei dem Verhalten von eBay nicht klar, jedoch eher unwahrscheinlich. Die Kunden sind schließlich die Leitragenden. Im Vergleich zum fairen Leistungswettbewerb haben sie höhere Gebühren zu bezahlen und profitieren nicht von möglichen Innovationen.

Außerdem ist das Verhalten von eBay nicht nachzuvollziehen. Deshalb mal dieses kurze Beispiel: Angenommen ein Verkäufer verkauft eine Ware für 1,00 Euro (Dies kommt nicht selten vor! Besonders nicht bei Büchern, CDs oder sonstigen Flohmarktartikel.) und verlangt für den Versand, da er es per Post versenden kann, 1,50 Euro. Er hat dann 0,08 Euro an eBay als Verkaufsprovision zu zahlen (eine Einstellgebühr entfällt bei Angeboten mit einem Einstellpreis von 1,00 Euro). Wenn der Käufer nun über Paypal zahlen will, was natürlich bei solchen kleinen Beträgen nicht wirklich nachzuvollziehen ist, dann muss der Verkäufer noch 0,35 Euro + 0,05 Cent (1,9 % von 2,50 Euro Überweisungsbetrag) an Paypal zahlen. Unter dem Strich bleibt dem Verkäufer dann 2,50 – 0,08 – 0,35 – 0,05 – 1,10 (durchschnittliche Portokosten + Kosten der Versandtasche) = 0,92 Euro. Und dafür muss er sich dann noch die Zeit nehmen, den Artikel einzustellen, zu verpacken und zur Post zu bringen.

Es gibt auch Kategorien, in welchen keine Versandkosten vom Verkäufer berechnet werden dürfen, das heißt, der Käufer soll die Ware kostenlos verschicken. Bei dem gewählten Beispiel würde dies zu einem Verlust führen.

Kommt es jetzt noch zu einem Problem bei der Transaktion: Artikel geht beim Versand kaputt/verloren oder der Käufer ist nicht zufrieden mit dem Artikel, kann der Käufer das Geld unter bestimmten Voraussetzungen von Paypal zurückfordern. Paypal wendet sich dann an den Verkäufer und verlangt von ihm das Geld zurück. Wenn das Geld noch auf dem Paypal Konto des Verkäufers vorhanden ist, hat Paypal natürlich leichtes Spiel und der Verkäufer kaum eine  Chance das Geld zu bekommen. Dies nennt sich Käuferschutz. Die Verkäufer bleiben dabei auf der Strecke, besonders weil sie die Käufer nicht mehr negativ bewerten können. Somit wird deutlich, dass es sich für die Verkäufer nur noch wenig lohnt, Artikel bei eBay einzustellen.

Verständlicher wäre es, wenn eBay vorschreiben würde, dass Bezahlungen ab einem Wert von zum Beispiel 100,00 Euro über Paypal abgewickelt werden müssen (trotzdem immer noch kein Argument ausschließlich Paypal zuzulassen). Hier wären der Käuferschutz und der Aufwand des Verkäufers durchaus im Einklang. Zugleich sind Betrugsfälle in höherer Preislage lohnender und für den Käufer ärgerlicher. Ferner bauen sich Betrüger erst einmal eine gute Reputation mittels positiv bewerteten Transaktionen auf, um dann später die Käufer zu „betrügen“. Noch ein Grund, um die Paypal Pflicht an den Verkaufserlös zu binden. Die Paypal Pflicht allein an die Bewertungspunkte zu binden, ist somit nicht nachzuvollziehen. Wer kauft denn auch schon eine Glashütte Uhr bei einem neuen Verkäufer für angenommen 3.000,00 Euro und überweist dann das Geld quer ohne Sicherheit durch die Republik in der Hoffnung auf den Versand.

Hintergrundmusik: Staind – Price to Play

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