Blau macht glücklich

Ich habe es schon immer gewusst: Blau macht glücklich. Dies haben auch die beiden Computer-Riesen Google und Microsoft erkannt (Spiegel Online berichtet). Mit dem kleinen Unterschied, dass Microsoft diese Erkenntnis viel Geld gekostet hat, nämlich 80 Mio. Dollar (rund 60 Mio. Euro). Doch warum und wozu gibt Microsoft so viel Geld dafür aus?

Der Suchmaschinenbetreiber Google besitzt bekannterweise quasi eine Monopolstellung im Suchmaschinenmarkt. Da Microsoft aber Google nicht ohne Weiteres den Markt und die vielen zu verdienenden Werbemilliarden überlassen möchte, betreibt es einen eigenen Suchmaschinendienst. Microsofts Suchmaschinen können aber ganz im Gegenteil zu ihren anderen Produkten keine großen Erfolge verzeichnen, was sich nicht zuletzt dadurch bemerkbar macht, dass die aktuelle Suchmaschine Bing.com schon der dritte Suchdienst des Konzerns ist (Vorgänger waren MSN-Search und Live Search). Mehr Erfolg erhofft sich Microsoft nun mit der seit 2009 betriebenen Suche Bing, hat deshalb keine Kosten und Mühen gespart und eine Farbe für die Werbelinks entwickelt, die vielleicht jegliche Misserfolge vergessen lässt: #0044CC! Mit diesem Farbcode will Bing viele Millionen Dollar durch zusätzliche Werbeeinnahmen verdienen, denn durchgeführten Tests zufolge verleitet #0044CC mehr zum Klicken als andere Farben. Ein weiterer positiver Effekt von #0044CC ist, dass Microsoft jetzt auch den mäßigen Erfolg der früheren Suchmaschinenversuche begründen kann, denn das Blau von Live Search sei zu blass gewesen.

Doch Microsoft ist anscheinend nicht der einzige Suchmaschinenbetreiber, der gerne im Farbkasten rührt. Auch Google setzt viel auf Farben und überlässt so wenig wie möglich dem Zufall. Ob nun aber das Bing- oder das Google-Blau besser gefällt, ist sicher Geschmackssache.

Dass Bing wegen #0044CC im Vergleich zu einem anderen Blau wegen des menschlichen Unterbewusstseins möglicherweise mehr Klicks auf Werbebanner generieren kann, kann ich mir durchaus vorstellen. Dass dadurch aber mehr Nutzer generiert werden können, bezweifle ich stark. Denn dass ich bewusst aufgrund der Farbnuance und nicht aufgrund der vielfältigen und (zum Teil) wirklich sehr hilfreichen Funktionen vom Google- zum Bingnutzer werde, kann ich mir nur schwer vorstellen.

Es zeigt sich, dass der Betrieb einer Plattform in zweiseitigen Märkten nicht gerade einfach ist, denn zweiseitige Netzwerkeffekte und Rückkopplungseffekte müssen berücksichtigt werden. Um die Attraktivität bzw. den Netzwerkeffekt der einen Marktseite für die andere Marktseite (in diesem Fall der Netzwerkeffekt ausgehend von den Rezipienten für die Werbekunden) zu steigern, bedarf es viel Expertise. Vermeintliche Nebensächlichkeiten können dabei schon einmal bis zu 80 Mio. Dollar kosten.

Hintergrundmusik: Vader Abraham – Das Lied der Schlümpfe

Thomas Jaschinski

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Thomas Jaschinski
Dipl.-Ökonom Thomas Jaschinski Technische Universität Ilmenau Institut für Volkswirtschaftslehre Fachgebiet Wirtschaftstheorie Ernst-Abbe-Zentrum Ehrenbergstraße 29 98693 Ilmenau Zi. 2232 Postfach 10 05 65 98684 Ilmenau Tel.: +49 3677 69 4070 Fax: +49 3677 69 4203 E-Mail: thomas.jaschinski@tu-ilmenau.de Sprechzeit: Dienstag, 14.00 - 15.00 Uhr - und nach persönlicher Absprache Wissenschaftlicher Werdegang * Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Wirtschaftstheorie Forschungsschwerpunkt * Medienökonomie

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