Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten: Google Street View

Google plant, das Feature Google Street View auch für Deutschland zur Verfügung zu stellen. Bereits seit dem Jahr 2007 ist das Feature für die USA und in der Zwischenzeit bis heute für viele andere Länder wie Großbritannien, Italien, Frankreich, für Teile Skandinaviens, Kanada, Australien etc. verfügbar. Eigenen Angaben zufolge hofft das Unternehmen auf einen Start von Google Street View in Deutschland noch innerhalb des Jahres 2010. Googles Plan, die bereits zum Großteil abfotografierten deutschen Straßenzüge und Häuser online zu stellen und somit für jeden sichtbar zu machen, lässt bei Verbraucher- und Datenschützern Bedenken aufkommen. Ilse Aigner, die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nahm sich der Sache an und ließ in den letzten Tagen und Wochen kaum ein gutes Haar an dem Internetriesen Google (z.B. hier oder hier).

Doch was ist dieses Street View, wozu dient es überhaupt und wer braucht es? Google wirbt damit, dass Street View sowohl für private als auch für gewerbliche Zwecke genutzt werden könne. Als nützliche private Zwecke werden virtuelles Sightseeing, Orientierungshilfe für unterwegs, Hilfe bei der Parkplatzsuche und Urlaubsvorbereitung sowie das Zeigen von Orten unter Freunden genannt. Nützliche gewerbliche Zwecke seien laut Google Werbung für Unternehmen, Zeitersparnis für Makler, Einbettung in den Geographie- und Geschichtsunterricht, Verwendung für Nachrichtenseiten sowie die Bewertung von Orten für Marketingkonzepte. All diese Verwendungsmöglichkeiten sind zweifelsohne ziemlich nützlich für private als auch für gewerbliche Zwecke. Zeit und Geld können gespart werden, neue Möglichkeiten im Geschäft, in der Freizeit und in der Bildung eröffnen sich.

Doch was sind die Schattenseiten des neuen Features? Offensichtlich der Datenschutz bzw. die Verletzung der Privatsphäre, und genau deshalb hagelt es Kritik! Google fotografiert ungefragt die Häuser und Vorgärten fremder Bürger, und dazu noch Passanten, die sich gerade auf der Straße befinden. Google gibt auf diese Kritik gleich zwei Antworten: Zum einen verwischt Google Gesichter von fotografierten Passanten und die Kennzeichen von abgelichteten Fahrzeugen. Zum anderen ermöglicht Google es, Bilder von sich oder seinem Haus entfernen zu lassen. Zur Entfernung des eigenen Bildes genügt eine Mail an Google, Ilse Aigners Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) stellt sogar einen Musterwiderspruch zum Download zur Verfügung. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel rät in ihrem Podcast Betroffenen bei Bedarf vom Musterwiderspruch des BMELV Gebrauch zu machen. Dies ist bei einer tatsächlichen Freigabe von Street View wahrscheinlich auch der beste Rat für Betroffene. Wichtig ist aber, dass auch Google selbst sich wie aktuell der Fall dazu verpflichtet, unangenehme Bildausschnitte wie diesen zu entfernen.

Auch wenn die erwähnten Bedenken zum Verbraucherschutz selbstverständlich nachvollziehbar sind (denn kaum Jemand möchte in einer solchen oder solchen Situation gerne fotografiert werden und für die ganze Welt zu beobachten sein), frage ich mich, wieso Verbraucherschützer und insbesondere  das BMELV gerade jetzt auf die Barrikaden gehen. Zum einen veröffentlicht Google mit seinem Feature Google Maps  bereits seit Jahren Satellitenbilder in (mehr oder weniger) hoch auflösender Qualität. Auf den Satellitenbildern sind Informationen zwar nicht so detailliert erkennbar wie bei Google Street View. Möglicherweise lieber geheim gebliebene Informationen, wie z.B. die halbnackte Nachbarin auf der Dachterrasse und andere werden schon hiermit für Jeden sichtbar. Zum anderen gibt es seit Jahren zahlreiche Webcams (die Internetpräsenz Globocam wirbt damit, die Bilder von 30.000 Webcams weltweit im Angebot zu haben), die zum Teil sogar als Livestream das Bild eines bestimmten öffentlich zugänglichen Platzes ins Internet übertragen. Gefragt, ob jemand fotografiert werden möchte, während er im Café sitzt oder bei Rot die Ampel überquert, wird auch hier niemand.

Zu der Frage, ob Google mit Street View einen Schritt zu weit geht, gibt es sicherlich geteilte Meinungen. Dass das Feature allerdings einen Nutzen stiftet, ist für mich unbestreitbar. Ob der Nutzen langfristig die Kosten übersteigt, bleibt abzuwarten.

Thomas Jaschinski



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Dipl.-Ökonom Thomas Jaschinski Technische Universität Ilmenau Institut für Volkswirtschaftslehre Fachgebiet Wirtschaftstheorie Ernst-Abbe-Zentrum Ehrenbergstraße 29 98693 Ilmenau Zi. 2232 Postfach 10 05 65 98684 Ilmenau Tel.: +49 3677 69 4070 Fax: +49 3677 69 4203 E-Mail: thomas.jaschinski@tu-ilmenau.de Sprechzeit: Dienstag, 14.00 - 15.00 Uhr - und nach persönlicher Absprache Wissenschaftlicher Werdegang * Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Wirtschaftstheorie Forschungsschwerpunkt * Medienökonomie

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