Weniger Körpereinsatz – Digitale Güter in einer materiellen Welt

Unter dem Titel Angriff der Körperfresser beleuchtet die Redaktion von Spiegel.de einen sehr interessanten Aspekt digitaler Musik und digitaler Güter im Allgemeinen: Die Klimabilanz.

Digitale Musik, genauso wie beispielsweise Internetseiten von Zeitungen, sparen wertvolle Ressourcen, sparen effektiv Energie und schonen damit nachhaltig die Umwelt.

Stichwort Nachhaltigkeit

Eine Studie der Stanford Universität berechnete eine Energie- und CO2 Ersparnis von 40-80% durch den Vertrieb digitaler Musik. Die Ergebnisse sind nicht schwer nachzuvollziehen, wenn man bedenkt, dass die Produktion des physischen Tonträgers komplett entfällt und auch der Transport über digitale Leitungen in keinem Verhältnis zu dem des physischen Transports mit Schiff, Flugzeug oder LKW steht.

ClimatePartner konnte feststellen, dass sich bei Zeitungsanzeigen allein ¾ des CO2 Ausstoßes durch die Nutzung einer Online-Plattform, auf der Werbekunden den Verlagen ihre Vorlagen präsentieren, einsparen lassen könnten.

Die Liste der Produkte für die ähnliches zutrifft ist lange, z.B. Geld, Fotografie, Post etc. Hinter alldem steckt eine nachhaltige Verwendung  vorhandener Ressourcen. Es scheint also besser zu sein in einer Herunterlad- als in einer Wegwerfgesellschaft zu leben. Sollten die Energie- und Materialeinsparungen tatsächlich so enorm sein, werden es uns unsere Nachfahren danken, dass wir nicht in den Plattenladen gefahren sind und eine CD gekauft haben, sondern bequem den iTunes Store benutzt haben.

Stichwort Wirtschaftlichkeit

Nun ist es kein großes Geheimnis, dass die Plattenindustrie lieber eine CD für 10 Euro oder mehr verkaufen würde als einzelne Songs für 99 Cent auf iTunes. Auch Zeitungen machen mit Anzeigen im Offline-Bereich deutlich mehr Geld als mit Onlineanzeigen, obwohl dort vielleicht sogar mehr Leute bestimmte Artikel lesen.  

Woran liegt es also, dass die „alten Industrien“ nicht an nachhaltig produzierten und vertriebenen Gütern interessiert sind? Der Spiegel Artikel nennt das Beispiel von Autoherstellern: Diese könnten wahrscheinlich Autos mit deutlich höherer Lebensleistung bauen, aber warum sollten sie? Damit würden neue Modelle weniger Absatz finden, da die Nutzungsdauer ansteigen würde.

Ökonomisch könnte man auch argumentieren, dass die Hersteller von CDs, Autos, Zeitungen etc. bestimmte Externalitäten, wie beispielsweise den entstehenden Abfall, den Energieverbrauch oder  CO2-Ausstoß bei Produktion und Vertrieb, nicht oder nur teilweise berücksichtigen. Zwar erzielen sie bei diesen Produkten höhere Margen, gesellschaftlich müssen aber anderen den Preis für die Zusatzkosten zahlen.

Die Verbraucher scheint das nicht weiter zu kümmern. Sie entscheiden sich für das billigere Produkt mit gleicher Qualität, für den einfachen Beschaffungsweg und für die einfache Verwendung.  Und damit ganz nebenbei für eine effizientere Verwendung der Ressourcen. Die Industrie wird zur Nachhaltigkeit gezwungen – ob sie will oder nicht.

Hintergrundmusik: Material Girl – Madonna

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