„Medien, Märkte, Meinungen“ zu „Medien, Macht und Meinungen“

Seitdem im Oktober 2007 die Tagesschausprecherin und Moderatorin Eva Herman in der ZDF-Talkrunde Johannes B. Kerner vom gleichnamigen Moderator aufgefordert wurde, das Studio zu verlassen, wurde diese legendäre Szene im deutschen Fernsehen sehr häufig diskutiert und war Gegenstand vieler Medienbeiträge. Vorangegangen waren öffentliche Diskussionen über mehrere von Eva Herman veröffentlichte und als konservativ zu bezeichnende Bücher, u.a. „Das Eva-Prinzip“, die ihre Sicht über die gesellschaftliche Rolle der Frau und der Familie beschreiben. Besonders brisant in der Diskussion war der Vorwurf, die von ihr propagierte Familienpolitik sei ein Loblied auf die Familienpolitik im Dritten Reich.

2,5 Jahre nach dem Rauswurf bei Johannes B. Kerner beschreibt Eva Herman nun ihre Erfahrungen mit den Medien, die sie hinsichtlich Meinungsmacht und Meinungsbildung gemacht hat, in einem neuen Buch: „Die Wahrheit und ihr Preis: Medien, Macht und Meinungen“ ist der Titel. Der vorliegende Artikel soll nun weder Werbung für noch einen Affront gegen das Buch darstellen, doch es gibt zwei Gründe (einer ernst gemeint, der andere eher weniger), das Buch im M-Blog zu erwähnen:

Eva Herman fühlt sich als Andersdenkende ausgebootet, „nur“ weil sie ihre eher unpopuläre Meinung öffentlich kundgetan hat. In dem neuen Buch werden daher stets aus ihrer persönlichen Sicht die negativen Erfahrungen, die sie mit der Medienwelt gemacht hat, beschrieben. Kritisiert werden vor allem der Starke Einfluss der Medien auf den Meinungsbildungsprozess in der Gesellschaft sowie die aus ihrer Sicht verzerrte Berichterstattung vieler Medienanstalten. Ihrer Meinung nach haben nur wenige einzelne Medienplattformen ihre Aussagen zur Frauenrolle und Familienpolitik journalistisch aufbereitet und neutral dargestellt. Der Großteil der Medienplattformen habe sie stattdessen öffentlich denunziert und an den Pranger gestellt, so u.a. auch der unabhängige öffentlich-rechtliche Rundfunk.

Eine objektive Antwort auf die Frage, ob die berichterstattenden Medien im Fall Eva Herman die Tatsachen verzerrt wiedergegeben und die Moderatorin und Nachrichtensprecherin gezielt ausgebootet haben, kann im Rahmen dieses Artikels (ebenso wenig wie das Buch selbst) sicherlich nicht gegeben werden und soll auch an dieser Stelle nicht thematisiert werden. Doch was wäre die Schlussfolgerung, falls bestimmte Medien „zu sehr“ meinungsbildend sind oder tatsächlich verzerrt berichten? Mehr Vielfalt und Wettbewerb schaffen, trotz der bereits vorhandenen großen Anzahl an Wettbewerbern im Nachrichtenbereich? Eine unabhängige Medienanstalt, die vom Staat betrieben und durch Steuereinnahmen finanziert wird? Bereits vorhanden…

Ebenso bleibt die nicht ganz ernst gemeinte Frage offen, ob sich unter den Lesern des M-Blog wohl auch Eva Herman befindet und sie sich bei der Titelfindung von „M-Blog – Medien, Märkte, Meinungen“ hat inspirieren lassen.

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Thomas Jaschinski
Thomas Jaschinski
Dipl.-Ökonom Thomas Jaschinski Technische Universität Ilmenau Institut für Volkswirtschaftslehre Fachgebiet Wirtschaftstheorie Ernst-Abbe-Zentrum Ehrenbergstraße 29 98693 Ilmenau Zi. 2232 Postfach 10 05 65 98684 Ilmenau Tel.: +49 3677 69 4070 Fax: +49 3677 69 4203 E-Mail: thomas.jaschinski@tu-ilmenau.de Sprechzeit: Dienstag, 14.00 - 15.00 Uhr - und nach persönlicher Absprache Wissenschaftlicher Werdegang * Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Wirtschaftstheorie Forschungsschwerpunkt * Medienökonomie

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