GutsMuths Rennsteiglauf: alles nur Spaß, Gaudi und Chaoten?

Diesen Weg auf den Höhen bin ich oft gegangen
Vöglein sangen Lieder.
Bin ich weit in der Welt, habe ich verlangen,
Thüringer Wald nur nach Dir.

Rennsteiglied (Karl Müller / Herbert Roth)

Der Grund  der Straßensperrungen und der  Fernsehteams mit Motorräder und Hubschrauber am heutigen Tag im Thüringer Wald war nicht etwa der Besuch eines hohen Staatsgastes oder ein Unfall. Nein! Alles Neue bringt der Mai? Nein auch nicht! Es ist mal wieder Mai und Mitteleuropas größter Landschaftslauf zu Ehren des Pädagogen „Johann Christoph Friedrich GutsMuths“ soll wieder bezwungen werden. Rund 2.000 Supermarathonis, 3.000 Marathonis und 7.000 Halbmarathonis jagten über den Rennsteig mit dem Ziel Schmiedefeld am Rennsteig (711 m ü NN).

Nun was hat jetzt der Rennsteiglauf mit seinem Volksfestcharakter mit dem m-blog zu tun? Ganz einfach. Zum einen ist der „redaktionelle Sitz“ des Blogs am Fuße des Thüringer Waldes. Zum zweiten wird den Blogs vorgeworfen, sich nur mit dem Internet zu beschäftigen. Und zum dritten stellt der Rennsteiglauf für die Region „Thüringer Wald“ ein besonderer Wirtschaftsfaktor dar.

Start in Neuhaus

Rund 15.000 Läufer sind für die verschiedenen Strecken gemeldet. Wenn noch Begleitungen berücksichtigt werden, kann mit insgesamt rund 30.000 Gästen an diesem Wochenende gerechnet werden. Laut einer Befragung zum Rennsteiglauf 2009 von Marcel Reinhardt in seiner Magisterarbeit an der TU Chemnitz kommt zwar ein Großteil der befragten Läufer aus Thüringen. Jedoch kommen rund 53 % der Läufer nicht aus Thüringen. Und das nicht nur aus anderen Bundesländern, sondern auch aus anderen Nationen.

Jetzt bringen Gäste natürlich nichts, wenn sie kein Geld in der Region lassen. So haben 60 % der befragten Läufer angegeben, dass sie mindestens eine Nacht in der Region verweilen (35 % bleiben sogar zwei Nächte). Ein Besucher gab im Durchschnitt rund 35,98 € für die Übernachtungen aus. Wenn das auf die 15.000 Läufer (bzw. 30.000 Gäste) hochgerechnet wird, kommt man auf insgesamt rund  539.700 (1.079.400) € Übernachtungsausgaben.

Ferner wurden noch weitere Ausgaben der Besucher abgefragt. Diese wurden unterteilt in Ausgaben innerhalb und außerhalb des Veranstaltungsgeländes (Ausgaben für Essen & Getränke, Souvenirs, Gaststättenbesuch…). Hierbei gaben die befragten Besucher an, dass sie 55,28 € (28,19 € innerhalb und 27,09 € außerhalb des Veranstaltungsgeländes) ausgaben. Wenn man das wiederum hochrechnet, kommt man auf Gesamtausgaben von 829.200 (1.658.400) €, die in der Region ausgegeben werden. Die abgefragten Fahrtkosten der Teilnehmer lasse ich hier mal außen vor, da diese meiner Meinung nach keinen besonderen wirtschaftlichen Effekt haben. Rund 90 % der befragten Teilnehmer reisen mit dem Auto an, so dass auch der öffentliche Nahverkehr davon nicht profitieren kann. Lediglich die Busunternehmen, die vom Veranstalter organisiert werden, profitieren vom Lauf (genauere Zahlen liegen jedoch nicht vor).

Wenn man das zusammenfasst, dann fließen rund 1.368.900 (2.737.800) € in diesen Tagen aufgrund des Rennsteiglaufes in die Region „Thüringer Wald“. Die Organisatorin, die „Rennsteiglauf Sportmanagement und Touristik GmbH“, macht durch den Rennsteiglauf bei einem geschätzten Umsatz von 615.000 € (Start-, Sponsorengelder) einen geschätzten Gewinn von 217.000 €. Dies ist aber auch nur aufgrund der vielen ehrenamtlichen HelferInnen möglich, die bei der Organisation assistieren.

Marcel Reinhardt  kommt in seiner Arbeit aufgrund verrechneter Vorleistungen auf eine durch den Rennsteiglauf verursachte direkte und indirekte Wertschöpfung von rund 1.280.000 € (15.000 Besucher unter Berücksichtigung aller Ausgaben – Startgebühr, Fahrtkosten…). Der Präsident des GutsMuths Rennsteiglaufvereins, Jürgen Lange,  schätzt den gesamten ökonomischen Effekt auf circa 8 Millionen € (Südthüringische Wirtschaft, 4/2010-IHK). Weitere mögliche positive Effekte für Thüringen wie Besuche in Erfurt, Weimar oder Jena wurden nicht berücksichtigt.

Wichtig ist, neben den Einnahmen, auch die Werbung beziehungsweise das Image, welches durch den Rennsteiglauf gebildet wird. Hier ist ein klares Bild erkennbar.  Annähernd 99 % der befragten Personen stimmten zu, dass der Rennsteiglauf gut für das Ansehen des Thüringer Waldes ist und über 90 % ist der Rennsteiglauf es sogar wert, nächstes Jahr wieder zu kommen.

rennsteiglauf - Zufriedenheit/Image

Zu beachten ist auch, dass der Altersdurchschnitt der befragten Besucher mit 41 Jahren rund 6 Jahre jünger ist als der mit 47 Jahren „normale“ Thüringen Tourist. Somit wird durch den Rennsteiglauf ein jüngeres und somit auch anderes Publikum angesprochen.

15.000 Läufer beim Rennsteiglauf sind zwar viel, verglichen mit 40.000 beim Berlin Marathon, jedoch wiederum recht wenig. Deshalb gibt Marcel Reinhardt zudem in seiner Magisterarbeit Handlungsempfehlungen für eine weitere Entwicklung des Rennsteiglaufes. Dabei soll zum einen mehr Werbung für den Rennsteiglauf zu noch mehr Aufmerksamkeit sorgen. Klar, Werbung schadet nie. Fraglich ist jedoch, ob „normale“ Werbung etwas nützt. Für Läufer ist der Rennsteiglauf ein Begriff und bei weitem auch eine Hausnummer. Um den Lauf noch bekannter zu machen, müssten vor allem berühmte nationale und internationale Läufer  (Weltmeister/Olympiasieger) im Starterfeld sein. Somit würden auch überregionale Medien über die Veranstaltung berichten und Werbung machen. Diese Läufer bekommt man jedoch nicht auf den Rennsteig, da erstens das Preisgeld zu gering ist und zweitens die erreichbare Zeit aufgrund des Anspruchs für sie zu hoch ist. Vielmehr sollten die Veranstalter „vernünftige“ Arbeit machen (wie sie es ja auch tun), damit sich der Lauf durch Mund zu Mund Propaganda (Virales Marketing) weiterempfehlt.

Die Anmeldezahlen der Stadtmarathons wird man kaum erreichen können, da die unmittelbare Bevölkerung der Städte viel größer ist (Bevölkerung des Freistaates Thüringens: 2.254.000 und der Bundeshauptstadt Berlin: 3.443.570).

Einen weiterer Punkt, dass die ansässigen Gemeinden und Städte den Rennsteiglauf durch bestimmte Aktionen unterstützen sollen ist zwar gut gemeint, aber leider schwer umzusetzen. Es steht außer Frage, dass diese durch den Rennsteiglauf profitieren. Man kann sie aber leider nicht dazu zwingen. Möglich wäre eine Ausschreibung von Strecken mit unterschiedlichen Startorten (hier ist die Nachfrage nach Schlafplätzen besonders hoch). Von den Städten, die dann am meisten bieten, würde dann eine Teildisziplin starten. Da aber der Rennsteiglauf auf dem Rennsteig gelaufen werden muss, bleibt jedoch wenig Spielraum. Zudem könnte auch bei regelmäßig wechselnden Strecken die Identität (unterschiedliches Anforderungsprofil) darunter leiden.

Aber ehrlich gesagt. Wer heute wieder die Begeisterung und Unterstützung entlang der Strecke gesehen hat, der wird mit Sicherheite meinen: Hoffentlich bleibt es so wie es ist, weil schöner geht es nicht!

Hintergrundmusik: Herbert Roth – das Rennsteiglied und der Schneewalzer

GMRL029 GutsMuths Rennsteiglauf: alles nur Spaß, Gaudi und Chaoten?

Foto: Sascha Fromm (http://www.rennsteiglauf.de/index/presseservice/index_infos.html)

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