Und es wächst und wächst und wächst… – Wo soll das (Internet) noch hinführen?

Der Bohnenstrauch rankte sich ganz nahe am Fenster von Hans vorbei. Er brauchte bloß das Fenster zu öffnen und einen kleinen Schritt auf die Bohnenranke zu machen, die wie eine große Leiter zum Himmel ragte. Hans kletterte also, er kletterte, kletterte, kletterte und kletterte, bis er endlich am Himmel anlangte.

Hans und die Bohnenranke (Benjamin Tabart)

Das Informations- und Kommunikationstechnologieunternehmen Cisco hat sich in seinem Visual Networking Index mit der Datenentwicklung des Internets beschäftigt. Demnach soll nach deren Schätzungen das Datenvolumen von heute 176 Exabytes (EB)um das rund 4,5 fache auf 767 EB im Jahr 2014 steigen.

Ein wenig zur Größenordnung:  Ein EB entspricht 1 Milliarde Gigabyte und somit 1 Million (1000GB) Festplatten. Wenn man diese 3,5“ Festplatten neben einander zu einer Dominoreihe (jeweils eine Lücke einer Fesplattenbreite (25mm)) stellen würde, könnte man heute eine ungefähr 8.800 km (Luftlinie Berlin-Tokio) und im Jahr 2014 eine 38.350 km (rund drei Erdumrundungen) lange Dominoreihe bilden.

Die Forscher gehen dabei von abnehmenden Zuwachsraten aus. So betrug der Zuwachs im Jahr 2009 45 %. Für die kommenden Jahre gehen sie aber nur von einer jährlichen Rate von 34 % aus.

Haupttreiber des Wachstums ist die Zunahme von Online Videos (Streams), welche das Volumen der P2P Netzwerke Ende dieses Jahres übersteigen wird und somit die Rangliste der Datenmengenverursacher im Internet anführt. Dabei nimmt das Datenvolumen der P2P Netzwerke weiterhin zu (16 %). Jedoch wachsen die Online Video Seiten schneller. Der Anteil der P2P Netzwerke am gesamten Internetverkehr wird von heute 39 % auf 17 % fallen und der Online Videos von heute 33 % auf 57 % im Jahr 2014 ansteigen.

Die Anzahl der Online Video Nutzer wird nach den Schätzungen in diesem Jahr die 1 Milliarde Schwelle übersteigen und dürfte somit in den nächsten Jahren die Bevölkerung von Indien und schließlich auch China übersteigen.

Ein weiterer Wachstumtreiber ist, oh wie Wunder bei den ganzen iPhones und Blackberrys, das Mobile Internet. Das Datenvolumen wird sich nach den Schätzungen jedes Jahr verdoppeln und im Jahr 2014 rund 43 EB betragen.  Auch hier wird das Mobile Video mit rund 66 % das größte Datenvolumen verursachen.

In der Tabelle sind die mit Abstand Top drei Regionen der Datenvolumenverursacher im Jahr 2014 aufgeführt.

Datenvolumen im Jahr 2014 (EB)
Nordamerika 228
Asien-Pazifik 204
Westeuropa 192

Diese Schätzung des Volumenanstiegs führt dazu, dass die Telekomunikationsnetzbetreiber weiter in den Ausbau der Netze investieren müssen. Wie und in welchen Umfang dies von statten geht wird natürlich sehr spannend sein. Und ob man den Netzausbau in den ländlichen Räumen, wie von der Bundesregierung gefordert, weiter vorantreiben kann, bleibt offen. Interessant wird auch bleiben, wie sich der Ausbau der Mobilfunknetze entwickelt. Die neuen Frequenzen wurden zu „angemessenen“ Preisen vergeben, so dass hier für die Netzbetreiber noch Mittel für den Mobilfunknetzausbau vorhanden sind.

Zum anderen wird der Ruf der Netzbetreiber nach angemessener Beteiligung der Diensteanbieter an den Investitionskosten wieder stärker werden. Wie oben deutlich wird, verursachen diese wie zum Beispiel YouTube den überwiegenden Teil des Datenvolumens. Sprich ohne einen Ausbau der Netze werden sie in Ihrem Geschäftsmodell behindert. Die Dienstenabieter sollten jedoch nicht zu lange auf ihrer nur zu einem Teil vertretbaren Meinung verharren, dass ja erst durch die von ihnen angebotenen Dienste die Nutzer die Flatrate Tarife bei den Netzbetreibern bestellen.

Dies führt dann auch zu einem weiteren interessanten Punkt. Ist es in den nächsten Jahren überhaupt den Netzbetreibern noch möglich, die Flatrate Tarife anzubieten. Das Datenvolumen eines durchschnittlichen Konsumenten wird mit Sicherheit sehr stark zu nehmen. Somit werden bald Volumenbeschränkungen unumgänglich werden.

Zum anderen wird auch die Diskussion über die Netzneutralität in den nächsten Jahren weiter an Fahrt zu nehmen. Mehr Datenvolumen führt zu mehr Überlastung und somit müssen effiziente Regeln für die Überlastungslösung gefunden werden. Technisch wird wohl in den nächsten 1-2 Jahren das Internet auf das Internet Protokoll (IPv6) umgerüstet werden müssen (Effizientere Datenübertragung, mehr IP Adressen…).

Auf der anderen Seite besteht aber weiterhin die Notwendigkeit, dass aufgrund der Zunahme der Daten und somit auch der Informationen, effizientere Verfahren zur Informationssuche und -verbreitung entwickelt werden müssen. Suchmaschinen und soziale Netzwerken werden sich hier genauer positionieren und sehr stark weiterentwickeln.

Hier noch Gary Hays Social Media Zähler. Zwar sehr vereinfacht, aber man bekommt eine sehr schönes Gefühl für das Wachstum des Internets.

Hintergrundmusik:  The Hives – T.H.E.H.I.V.E.S. (We Rule the World)

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