Sommerrückblick II

Auch Google hat in der Sommerpause mehrfach von sich hören lassen. Neben der Aufregung über Street View (darüber wird ebenfalls noch zu reden sein) gab es einige Meldungen, die erwähnenswert sind. So hat Google zum Beispiel einen Apps Marketplace eröffnet. Damit nutzt das Unternehmen bestehende Netzwerke und versucht zweiseitige Netzwerkeffekte stärker auszunutzen. Da durch die neue Plattform eine höhere Transparenz erzeugt wird, sollten die Apps zukünftig stärker nachgefragt und zudem eine höhere Zahl an Apps hergestellt werden.

Ebenso hat Google angekündigt, mit „Google TV“ einen neuen Dienst anzubieten, mit dem Fernsehgeräte direkt auf Internetinhalte zugreifen können. Damit könnte problemlos zwischen beiden Quellen, Internet und TV-Kanäle, gewechselt werden. Die Kombination von Internet und Fernsehen würde mittelfristig wohl zu einer Explosion an Rundfunk-Inhalten führen. Neben vielen juristischen Problemen, die sich daraus ergeben könnten, würde auch aus ökonomischer Sicht eine völlig neue Situation bezüglich der Notwendigkeit und Art der Rundfunkregulierung entstehen. Auch wenn sich die Frage der Konvergenz der Medien schon lange nicht mehr stellt, wird ein solches Zusammenwachsen spannende Auswirkungen auf Wettbewerb und Regulierung haben.

Letztendlich scheint es, dass Google zukünftig bereit ist, für schnellere Datenübertragungen einen höheren Preis zu entrichten, die gemeinsame Verlautbarung mit Verizon deuten jedenfalls darauf hin. Schon seit einiger Zeit bemängeln verschiedene Netzbetreiber, dass Content Provider wie Google zwar zu einer starken Belastung der Netze beitragen, jedoch nicht gewillt sind, für ihre Nutzung der Belastung entsprechend zu zahlen. Auch Google hatte sich bisher dagegen gewehrt, höhere Preise zu akzeptieren. Nun scheint es, als könnte die Diskussion – die ein wichtiger Teil der Netzneutralitätsdebatte darstellt – eine neue Qualität erlangen. Das Umdenken von Google könnte zwar zum einen politisch motiviert sein, wenn das Unternehmen den Eindruck hätte, dass eine Neutralität im Sinne einer gleichen Bepreisung nicht realistisch wäre. Vielleicht hat es aber auch erkannt, dass es insbesondere bei datenintensiven Musik- und Video- Diensten von einer solchen schnelleren Datenübertragung profitieren kann. Aus ökonomischer Sicht wäre eine Differenzierung der Übertragungsgeschwindigkeiten sowieso zu begrüßen.

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Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

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