Von von iPods und Eipotts

Innovationen sind in aller Regel unerlässlich für einen intakten Wettbewerb zwischen den einzelnen Anbietern eines Marktes. So führen etwa die sogenannten Prozessinnovationen zu geringeren Kosten im Produktionsprozess. Geringere Kosten bedeuten aber ceteris paribus sinkende Preise – das Ausmaß der Preissenkung ist dabei natürlich von der Art und der Intensität des Wettbewerbs (letztendlich von der Marktmacht der Unternehmen) abhängig. Je stärker der Wettbewerb, desto näher wird der neue Preis gegen die neuen, geringeren Kosten tendieren. Führt die Prozessinnovation zu sehr starken Kostensenkungen, sodass der neue Preis sogar unterhalb der ursprünglichen Kosten liegt, so spricht man drastischen Innovationen. Nicht-drastische Innovationen liegen demnach vor, wenn der neue Preis weiterhin oberhalb der ursprünglichen Kosten liegt.

Produktinnovationen dagegen wirken sich nicht (vornehmlich) auf die Kosten aus, bzw. zielen nicht auf den Produktionsprozess des Gutes ab. Produktinnovationen wirken vielmehr auf die Nachfrage eines Produkts. Neue aber auch veränderte oder verbesserte Produkte (im Sinne von Qualitätssteigerungen, wobei die Grenzen natürlich fließendsind) können die Nachfrage erhöhen. Dabei kann zum einen eine neue Nachfrage geschaffen werden, indem neue Käufer attrahiert werden, das Produkt zu erwerben. Möglicherweise wird aber auch der Konkurrenz Nachfrage entzogen, indem Wiederholungs- oder Ersatzkäufe nun beim Wettbewerber getätigt werden. Welche Art von Produktinnovationen dabei vorliegt und ob die neuen oder veränderten Produkte tatsächlich objektiv gesehen bessere oder neue Produkte darstellen oder nur als solche wahrgenommen werden, ist dabei zunächst nicht relevant. Ob eine Innovation erfolgreich ist, hängt vor allem von der Einschätzung der Konsumenten ab. Hierbei ist zudem interessant, ob eine Innovation vom Markt getrieben wird oder aus der Technologieentwicklung abgeleitet ist.

Was das Ganze mit dem M-Blog zu tun hat? Nun, die Firma Koziol hatte einen Eierbecher in einem „neuen Design“ entwickelt und unter dem Namen Eipott auf den Markt gebracht. Die phonetische und auch gestalterische Nähe zu Apples iPod ist dabei nicht zu übersehen (bzw. -hören). Anscheinend hat Apple wohl auch befürchtet, dass der Eipott mit dem iPod verwechselt werden könnte und die Nutzung des Namens – also Eipott – gerichtlich untersagen lassen. Ob der Eipott tatsächlich so sehr anders ist, als andere Eierbecher und damit als Innovation bezeichnet werden kann, ist schwer zu sagen. Interessante Fragen sind aber: Ist die Verwechselungsgefahr tatsächlich so groß, dass eine Untersagung gerechtfertigt ist? Was hätte Apple durch den Eipott verloren? Welche Nachfragesteigerung nach Eierbechern geht durch die Untersagung verloren? Und welche Einbußen hätten die anderen Eierbecherhersteller durch den Eipott hinnehmen müssen?

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Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

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