Die Freiheit nehm ich mir – amerikanischen Wettbewerbsbehörden knöpfen sich American Express, Visa und Master Card vor

Laut Medienberichten wirft die US-Regierung den drei größten Kreditkartenanbietern vor ihre marktbeherrschende Stellung auszunutzen. Sie sollen Einzelhändler davon abgehalten haben, die Benutzung Kreditkarten andere Unternehmen durch günstigere Preise oder Rabatte attraktiv zu machen. Außerdem hätten die Einzelhändler durch Hinweise im Schaufenster auf die bevorzugte Annahme der jeweilig angeklagten Firma hingewiesen.

Während mit Visa und Master Card bereits außergerichtliche Vereinbarungen getroffen wurden, geht American Express in die Offensive: Sie sehen in der Anklage keine Förderung sondern eine Beschränkung des freien Wettbewerbs.

Ökonomisch ist der Kreditkartenmarkt vor allem deshalb interessant, weil er als Musterbeispiel eines zweiseitigen Marktes gilt. Vielmehr noch, geht die Theorie der zweiseitigen Märkte auf eine Untersuchung des Kreditkartenmarktes zurück.

Zweiseitige Märkte zeichnen sich durch die Verknüpfung zweier Märkte durch indirekte Netzwerkeffekte aus. Eine Plattform – hier die Kreditkartenfirma – verbindet diese beiden Märkte – hier Einzelhändler und Kunden – und internalisiert durch die Preissetzung die Externalitäten, die die beiden Märkte aufeinander ausüben. Kurz gesagt, profitiert der jeweilige Markt von der Größe des jeweils anderen. Je mehr Geschäfte Visa Card akzeptieren, desto attraktiver wird sie für Kunden. Umgekehrt, wird es für jeden Einzelhändler umso attraktiver Visa Card zu akzeptieren, je mehr Kunden diese beim Einkauf benutzen wollen.

Ein zentrales Problem beim Markteintritt zweiseitiger Plattformen ist es die benötigte kritische Masse aufzubauen. Nur wenn bei genügend Einzelhändler mit dieser Kreditkarte bezahlt werden kann, ist sie für Kunden interessant. Für Einzelhändler aber nur dann, wenn sie von genügend Kunden benutzt wird. Die Plattform steht also vor einem „Henne-Ei-Problem“. Genau hierauf könnten es die drei großen Anbieter abgesehen haben. Gelänge es ihnen über die Händler zu signalisieren, dass konkurrierende Kreditkarten nur selten angenommen werden, würde die Attraktivität für potentielle Karteninhaber sinken. Umgekehrt könnten neu eintretende Plattformen durch Rabatte versuchen neue Kundengruppen anzulocken. Firmen, die sich bereits im Markt befinden werden somit versuchen zu verhindern, dass neue Firmen die kritische Masse an Nutzern erreichen.

Durch die Verbindung der beiden Märkte über indirekte Netzwerkeffekte wirkt sich jede möglicherweise wettbewerbsfeindliche Handlung nicht nur auf einen sondern auf beiden Märkten schädlich aus. Allerdings ist es eine offene theoretische Frage wie sich Wettbewerb in zweiseitigen Märkten auf die Wohlfahrt auswirkt. Es ist nicht klar, dass mehr Wettbewerb immer vorteilhaft ist. Vielmehr ist die Beurteilung von z.B. der Größe und Richtung der Netzwerkeffekte, der Art des zweiseitigen Marktes und der Möglichkeit des Multihomings – der gleichzeitigen Benutzung mehrerer Plattformen – abhängig. Es wird also interessant, ob sich American Express vor Gericht behaupten kann. Auf alle Fälle jedoch, wird die Entscheidung einen Einfluss auf andere Fälle mit zweiseitigen Märkten haben. Wir sind gespannt und werden weiter darüber berichten.

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