EU prüft Missbrauch marktbeherrschender Stellung von Google

Die Europäische Kommission prüft einen möglichen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung von Google in der Online Suche.  Die marktbeherrschende Stellung von Google in der Online Suche ist bei Google für den europäischen Markt  gegeben. So liegt der Marktanteil in Europa bei rund 90 Prozent (weltweit bei 85 Prozent).

Bei den Suchergebnissen unterscheidet man zwischen den „natürlichen“ und den bezahlten Suchergebnissen. Die natürlichen Suchergebnisse sollen dabei gänzlich die Relevanz der Webseiten (Ergebnisse) in Bezug auf die Suchanfrage widerspiegeln. Hierbei werden komplexe Algorithmen verwendet um die für den jeweiligen Nutzer optimale Reihenfolge der Ergebnisse anzubieten. Bei den bezahlten Suchergebnissen werden die Ergebnisse nach den zu erwartenden Erträgen geordnet. Anzeigen mit einem höheren zu erwartenden Ertrag (grob: Gebot mal Klickwahrscheinlichkeit) werden „höher“ angezeigt.

Google wird vorgeworfen, spezialisierte Suchdienste (vertikale Suchmaschinen, wie zum Beispiel Preisvergleichsseiten) in ihrer Suchanzeige (natürliche Suchergebnisse) auf schlechten Positionen angezeigt zu haben.  Es wird Google somit unterstellt, dass sie in den Algorithmus (Rankingverfahren) eingreifen und somit das Ranking nicht nach objektiven Kriterien gebildet wird (Verletzung des Artikel 102 c) AEUV). Dass Google in das Ranking eingreift, wurde von Google bisher damit begründet, dass sie schädliche Manipulationen an der Relevanzbewertung von Webseitenanbieter bestrafen möchten, wie zum Beispiel im Fall des Autoherstellers BMW.

Bei den aktuellen Fällen handelt es sich jedoch um Konkurrenten von Google. Werden sie von Google nicht ihrer Relevanz angemessen angezeigt, so gerät ihr Geschäftsmodell (Verkauf von Werbung auf den Seiten) ins Wanken, da sie weniger Nutzer auf ihre Seite bekommen. Es könnte vermutet werden, dass diese Werbung die werbetreibenden Unternehmen dann bei Google schalten würden. Somit könnte ein Anreiz bei Google liegen, die Webseiten der Konkurrenten in ihrer Ergebnisseite schlechter anzuzeigen.

Fraglich ist, ob ein schlechteres Ranking der Konkurrenten von Google absichtlich durchgeführt wurde oder ob das Ranking aufgrund einer Umstellung des Algorithmusses (andere Relevanzbewertung) oder aufgrund relevanterer Anbieter, also ganz legal und objektiv nachvollziehbar, verschlechtert wurde. Hier dürfte die Prüfung relativ lange dauern, da Google nicht seinen Suchalgorithums preisgeben möchte und sich dabei auf Geschäftsgeheimnisse berufen kann. Zudem ist eine gerechte Bewertung der Relevanz kaum möglich, da zum einen zwischen objektiver und subjektiver Relevanz unterschieden werden kann und natürlich die subjektive Relevanz, die bei Suchmaschinen von höherer Bedeutung ist, von Nutzer zu Nutzer verschieden ist.

In einer weiteren Prüfung wird untersucht, ob Google seinen Werbekunden Ausschließlichkeitsbindungen aufgezwungen und somit den Webseitenbesitzern verboten hat konkurrierende Werbung auf ihren Webseiten zu schalten  (Artikel 102 d) AEUV). Dadurch könnten  online Werbevermarkter, die zu Google im Wettbewerb stehen, ungerechtfertigt beeinträchtig werden. Diese Untersuchung sollte eigentlich relativ schnell zu beurteilen sein, da sich die Wettbewerbsbehörde auf etwaige Verträge beziehen kann.

Zudem wird von der Europäischen Kommission auch geprüft, ob Google Daten aus der Online Vermarktung (Klickverhalten,…) absichtlich zurückgehalten und folglich nicht an konkurrierende Anbieter weitergegeben hat. Dabei wird sich höchstwahrscheinlich die Frage stellen, wem diese Daten „gehören“- Google (Vermarkter) oder den Anzeigenschalter (werbetreibende Unternehmen). Und ob sich daraus eine Pflicht ergibt, diese Daten an Konkurrenten weiterzugeben beziehungsweise, ob die Daten unabdingbar für die Konkurrenz sind.

Hintergrundmusik: Coldplay – Fix You

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