Konkurrenz für die Bahn: Viele neue Möglichkeiten für die Fahrt von A nach B…

Die Deutsche Bahn hat es gerade nicht leicht: Einerseits hat die Bundesregierung gerade beschlossen, in Deutschland endlich auch den Fernbus-Verkehr zuzulassen, der bisher mit Ausnahme einiger weniger Strecken verboten war, um die Fernzüge der Bahn zu schützen. Andererseits postieren sich mittlerweile ernstzunehmende Konkurrenten, die auf eigene Faust Fernzüge fahren lassen möchten: So zum Beispiel der neue „Hamburg-Köln-Express“, der ab September dreimal täglich vom Rheinland nach Hamburg fahren wird – schneller und billiger als die DB AG.

In meiner Funktion als Wettbewerbstheoretiker freuen mich die vielen neuen Wahlmöglichkeiten natürlich, die es bald geben wird, um von A nach B zu kommen – schließlich könnte es bestehende Monopole zerschlagen und die Preise sinken lassen.

Doch mir als Konsument verlangen sie sehr viel ab: Nehmen wir einmal an, wir wollen unser Ziel möglichst schnell, möglichst billig, möglichst komfortabel, möglichst umweltfreundlich erreichen – und am besten noch genau dann fahren, wann es uns am besten passt. Die Wahl des Verkehrsmittels wird uns fürchterlich quälen – denn einen Königsweg, der alle Anforderungen erfüllt, gibt es nicht. Der Psychologe Barry Schwartz nannte die Überforderung durch zu viele Wahlmöglichkeiten einmal „The Paradox of Choice“: Wer nicht alle Folgen seiner Wahl abschätzen könne, der sei am Ende mit seiner Entscheidung unzufrieden, so Schwartz – auch wenn es zufällig objektiv gesehen die beste gewesen sei.

Für eine Fahrt von Düsseldorf nach Hamburg am nächsten Samstag habe ich die verschiedenen Alternativen, die sich bald bieten werden, einmal verglichen. Die Zahlen wurden auf die Schnelle unwissenschaftlich geschätzt und polemisch durch Farben farblich bewertet! Dass die Bahn durch die neue Konkurrenz möglicherweise die Preise senken wird, wurde noch nicht berücksichtigt.

Bahn Tabelle Konkurrenz für die Bahn: Viele neue Möglichkeiten für die Fahrt von A nach B...

Wie würde sich ein rationaler Kunde also entscheiden? Hätte er konstante Präferenzen, wüsste er also immer, welche Charakteristika der Verkehrsmittel ihm wie wichtig sind, die Antwort wäre leicht zu finden. Doch so ticken wir Menschen nicht: Zum Beispiel wissen wir nicht einmal sicher, bei wie viel Preisersparnis wir eine langsamere Reise in Kauf nehmen würden, wie der israelische Verhaltensökonom Ofer Azar mit Hilfe eines Experiments untersucht hat. Der Wert einer Stunde Zeitersparnis steigt mit dem Ticketpreis, zeigt Azar in seinem Paper „Relative thinking in consumer choice between differentiated goods and services and its implications for business strategy”, das gerade im Journal „Judgment and Decision Making“ erschienen ist.

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