Sinn und Unsinn der Abwrackprämie

Von Andrea Müller und Ulrich Heimeshoff

Als sich die Weltwirtschaft Anfang 2009 in der Krise befand, wurde händeringend nach „geeigneten“ Maßnahmen gesucht, die schwächelnde Binnenkonjunktur anzukurbeln. In Deutschland war die Lösung schnell gefunden: Als schnellster Gesetzbeschluss überhaupt wurde die Abwrackprämie (formell: Umweltprämie) durchgewunken. Darunter versteht man die Zahlung eines Bonus im Falle des Kaufs eines umweltfreundlichen Neuwagens für das Verschrotten eines x Jahre alten gebrauchten Fahrzeugs.

Andere Länder auf der ganzen Welt folgten und implementierten ihre eigenen Prämien, allerdings in sehr verschiedener Ausgestaltung. Der Abwrackbonus reichte von 222 Euro in Kanada bis zu maximal 3288 Euro in den USA, das Budget lag zwischen 9 Millionen Euro in Zypern und 5 Milliarden in Deutschland und auch die Laufzeit variierte stark zwischen 2 Monaten in den USA und bis zu 48 Monaten in Australien. Eine deutsche Erfindung, wie die Boulevardpresse meinte, war die Prämie allerdings nicht: So gab es sie in bereits in den 1990er Jahren – beispielsweise in Frankreich und Spanien.

Die Euphorie in der Politik und der eher zweifelhafte Ruf der Umweltprämie in der Fachliteratur waren für uns Ansporn genug, einmal aus wettbewerbsökonomischer Sicht der Frage nachzugehen, ob die Abwrackprämie überhaupt erfolgreich war und was geschehen wäre, wenn es sie in den jeweiligen Ländern nicht gegeben hätte. Um hierauf eine Antwort geben zu können, haben wir für 15 Länder eine Simulationsstudie durchgeführt, beruhend auf einer Schätzung der Automobilnachfrage.
Die Ergebnisse für die Länder sind sehr gemischt und lassen sich mit folgender Graphik verdeutlichen. In den vier Feldern sind jeweils die Auto-Absatzzahlen vor, während und nach der Laufzeit der Abwrackprämie abgetragen.

abwrackprämie Sinn und Unsinn der Abwrackprämie

 

In Deutschland, den USA und Großbritannien zeigt sich ein positiver Einfluss der Abwrackprämie, der auch von den meist negativen Auswirkungen nach dem Ende des Programms nicht vollständig kompensiert wird. Allerdings weisen Länder mit den budgetmäßig größten Konjunkturpaketen nicht per se die größten Auswirkungen auf die Automobilzulassungen auf, was den Schluss nahe legt, dass das Maßnahmendesign eine sehr große Rolle für die Wirksamkeit in der Praxis spielt.
Als Beispiel einer misslungenen Abwrackprämie sei an dieser Stelle die griechische Variante angeführt: Als einzigem Land im Datensatz ist es dort gelungen, sowohl während, als auch nach Ende der Laufzeit den Trend noch zu verschlechtern.

Bisher haben wir ausschließlich die Wirkungen der Abwrackprämie auf den Absatz von Au-tomobilen untersucht. Es wird somit nichts gesagt zur Frage „Was kostet diese Maßnahme und was bringt sie ein?“ Diese aus ökonomischer Sicht bedeutenden Wohlfahrtseffekte der Abwrackprämie werden den Kern unseres nächsten Forschungsprojekts bilden.

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3 Kommentare

  1. Für eine Übersicht ist es wirklich ausreichend. Wenn man sich weiter vertiefen will, kann man dann auf eigene Faust recherchieren.

  2. Sehr geehrter Herr Storbeck,
    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Das Ziel unseres Blogs soll es aber gerade sein, die aktuelle Forschungsarbeit des DICE einer interessierten Öffentlichkeit aller Fachrichtungen kurz und prägnant näher zu bringen. Sie haben selbstverständlich recht, dass dabei auch Präzision verlorengeht. Ich werde Ihnen aber gerne unser Arbeitspapier mit genauer Daten- und Methodenbeschreibung, sowie detaillierten Regressionsergebnissen zusenden. Dort ist auch die von Ihnen beschriebene Arbeit von Mian und Sufi (2010) erwähnt. Der Fokus unserer Studie liegt allerdings explizit auf einem internationalen Ländervergleich der „Abwrackprämien“ und nicht auf einer einzelnen Fallstudie.

  3. Erstmal herzlichenn Glückwunsch zum Blog!

    Diesen Eintrag finde ich allerdings ehrlich gesagt ziemlich enttäuschend – mit welcher Methode habt ihr denn diese Simulationsstudie gemacht, was sind die Daten, wie genau sehen die Ergebnisse genau aus uns was treibt sie?

    Für die USA gibt es zu dem Thema übrigens eine sehr gute Studie, über die ich im Herbst 2010 mal berichtet habe. http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/wissenswert/was-die-abwrackpraemie-gebracht-hat/3640026.html

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