Ideen für die nächsten Gesundheitsreformen

Von Julia Graf und Moritz Suppliet.

Immer mehr Menschen wechseln ihre Krankenkasse – der Grund sind meist die pauschalen Zusatzbeiträge, die die Kassen verlangen müssen, wenn sie mit den normalen Beiträgen nicht auskommen. Allerdings waren auch vor der Reform 2009 nicht alle Kassen gleich teuer: Damals unterschieden sie sich nicht über pauschale Aufschläge, sondern über den prozentualen Beitrag. Trotzdem wechselten damals weit weniger Menschen ihre Kasse als heute – woran liegt das?

Um Forschungsfragen wie diese ging es beim DIBOGS- Workshop in Hamburg, einem Treffen renommierter deutscher Gesundheitsökonomen, die hier regelmäßig ihre Ideen für neue Reformen im Gesundheitsbereich vorstellen. In diesem Jahr stand die Regulierung des Arzneimittelmarkts besonders im Fokus – mit Projekten zu Rabattverträgen (Julia Graf, DICE), Regulierungen des Medikamentengroßhandels sowie Arzneimittelzulassungen und -zuzahlungen (Moritz Suppliet, DICE). Auch eine Kostenanalyse zu der Pharmakotherapie bei Morbus Parkinson wurde präsentiert. Weitere Projekte umfassten die Unternehmenskonzentration unter deutschen Krankenhäusern und die Frage, ob gesetzlich Versicherte wirklich so viel länger auf einen Arzttermin warten müssen als Privatpatienten. Die Diskussionsbeiträge der vergangenen Jahre sind hier verfügbar.

Doch warum wechseln nun mehr Kassen-Patienten als früher ihre Versicherung? Die eingangs erwähnte Studie zeigt: Es liegt schlichtweg daran, dass die Preisunterschiede der Kassen durch eine einzige absolute Zahl heute klar ersichtlich sind.

Da heute mehr Patienten wechseln als früher, scheint die Gesundheitsreform also erfolgreich gewesen zu sein – wollte der Gesetzgeber doch genau das erreichen, damit sich im Endeffekt die preiswerten Kassen mit besonders schlanker Verwaltung durchsetzen. Allerdings – auch das wurde in Hamburg deutlich – hat die Sache einen Haken: Es wechseln fast nur junge und gesunde Patienten ihre Kasse. Und wer die gewinnt, braucht seine Verwaltung gar nicht mehr zu verschlanken, denn er spart auch so genug. Fehlende Zusatzbeiträge sind also nicht unbedingt ein Zeichen für effizient arbeitende Kassen, sondern eher für die, die ihre Patientenschar verjüngen wollen. Damit wäre die Idee des Gesundheitsfonds, den Wettbewerb um die beste Kostenstruktur zu forcieren, ad absurdum geführt.

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