Denn sie wissen nicht, was sie tun

„Dann haben sich also alle geeinigt…“ mit diesem Satz schließt Schauspieler Matt Damon als Mark Whitacre, zu der Zeit Präsident der Bioproduct Division der Firma Archer Daniels Midland (ADM), im Film „The Informant“ eine der größten und bekanntesten expliziten Marktabsprachen, dem Lysin Kartell, ab.
Im Gegensatz zu den meisten theoretischen Modellen und Experimenten in der ökonomischen Kartellliteratur, in denen Firmen ohne direkte Absprachen und Verhandlungen implizit eine Marktabsprache treffen, handelt es sich beim Lysin Kartell um ein sogenanntes explizites Kartell. In einem expliziten Kartell wird der gemeinsame Gewinn durch direkte Absprachen maximiert. Impliziten Kartelle führen zwar bei Stabilität zum gleichen Ergebnis wie explizite Kartelle, zeichnen sich allerdings dadurch aus, dass dies durch paralleles Marktverhalten, also gleiche Preis- bzw. Mengensetzung, ohne jede direkte Absprache erfolgt. Dort hält sich jede Firma nur an die Absprache, solange der eigene Gewinn maximiert wird. Zwar gibt es in beiden Kartellen einen Anreiz von der Absprache abzuweichen, explizite Kartelle besitzen jedoch den Vorteil solch ein Verhalten sanktionieren zu können. So gab es im Lysin Kartell einen komplexen Kompensationsmechanismus der abweichende Firmen dazu zwang, andere Kartellteilnehmer zu entschädigen.

Trotz dieses Vorteils gibt es auch bei der Einigung auf ein explizites Kartell eine hohe Hürde: Es müssen genug Firmen dem Kartell beitreten wollen damit es profitabel wird. Dies ist erst der Fall wenn die Gewinne durch die Teilnahme am Kartell höher sind als im normalen Wettbewerbsfall. Dies impliziert allerdings nicht zwangsläufig, dass alle Firmen im Markt dem Kartell beitreten. In diesem Fall entsteht ein sogenanntes partielles Kartell in dem nicht alle Firmen des Marktes teilnehmen. Das Interessante dabei ist, dass diese Außenseiterfirmen das Mehrfache an Gewinnen machen können als die Kartellteilnehmer. Hierbei stellen sich mehrere Fragen:
• Ist es für eine Firma nicht immer attraktiver eine Außenseiterfirma zu sein?
• Wenn ja, wie entstehen überhaupt partielle Kartelle?

Neben der eigentlichen Analyse, ob es den Firmen gelingt, explizite Kartellabsprachen zu treffen, werden die obengenannten Fragen in unserem Paper „Rebels without a Clue? Experimental Evidence on Explicit Cartels“ in einem Computerlaborexperiment untersucht.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass bindende explizite Kartellabsprachen bei denen sich Firmen zur Absprache treffen, dazu in der Lage sind Kartelle zu bilden.
Weiterhin tendieren die Firmen eher dazu, Kartelle zu gründen die alle Firmen im Markt einbeziehen. Dies ist auch in Märkten der Fall in denen die theoretische Ökonomische Literatur normalerweise die Gründung von partiellen Kartellen erwarten würde. In den meisten Fällen lehnen die potentiellen Kartellinitiatoren sogar die Gründung von partiellen Kartellen ab, da dies den Außenseiterfirmen einen höheren Gewinn garantieren würde. Dies geschieht, obwohl die Gründung des partiellen Kartells für die Kartellteilnehmer zu höheren Gewinnen geführt hätte. Obwohl dieses Ergebnis irrational erscheint macht es im Wettbewerbskontext Sinn: Die Firmen möchten nicht dass ein Wettbewerber, der nicht am Kartell teilnimmt viel höhere Gewinne macht als sie selbst. Dies ist insbesondere dann ungewollt, wenn dies durch Trittbrettfahrerverhalten passiert. So attraktiv die Außenseiter Rolle auch scheint, letztendlich führt sie nur dazu dass kein Kartell implementiert wird und alle Firmen schlechter dastehen, als bei einem vollständigen Kartell. Somit stehen am Ende alle Firmen wieder im Wettbewerb.

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass explizite Kartelle dort funktionieren, wo implizite Kartelle scheitern, was sich in unseren Experimentalergebnissen an einer nahezu hundertprozentigen Kartellquote in Märkten in denen implizite Kartelle nicht funktionieren zeigt. Hierbei spielt insbesondere Kommunikation eine wichtige Rolle, denn Firmen müssen nicht nur kooperieren, um ein Kartell zu initiieren, sie müssen auch letztendlich das Kartell koordinieren. Die Wichtigkeit von Kommunikation wird durch die vielen Tonbandaufnahmen belegt, die Mark Whitacre von den Kartelltreffen des Lysin Kartells gemacht hat. Diese übergab er dem FBI und diente im Prozess gegen das Lysin Kartell als Kronzeuge. Ein Punkt an dem unser Nachfolgeprojekt direkt anknüpfen wird. To be continued…

Eine Erstversion des erwähnten Papers können Sie hier einsehen.

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