Less Pain at the Pump II: Preisregeln als Maßnahme zur Preissenkung

Vor etwa zehn Tagen haben wir über die geplante Markttransparenzstelle berichtet, die vom Bundeskartellamt geführt werden soll. Ein anderer und vor einiger Zeit ebenfalls intensiv diskutierter Vorschlag, den Benzinpreis zu begrenzen, liegt in der Anwendung sogenannter Preisregeln wie sie in Österreich und Westaustralien gelten. Die Intention dieser Regeln besteht in einer Art Preisregulierung, bei der jedoch nicht die Preishöhe festgesetzt wird (wie es z.B. in Kanada oder Luxemburg der Fall ist), sondern in einer relativ einfachen Begrenzung des Preissetzungsspielraums.

So darf in Westaustralien seit 2001 der Benzinpreis nur einmal pro Tag festgesetzt werden. Die Tankstellen müssen diesen Preis am vorherigen Tag an die Wettbewerbsbehörde melden und dürfen diesen dann 24 Stunden nicht mehr verändern. Gleichzeitig werden die gültigen Preise über eine Website den Verbrauchern mitgeteilt. Preisschwankungen im Tagesverlauf sind damit ausgeschlossen und ein kollusives Verhalten wird möglicherweise erschwert. Tatsächlich konnte man direkt nach der Einführung der Regel eine Verhaltensänderung der Tankstellen feststellen. Das typische Vorpreschen einiger weniger Anbieter, die sich üblicherweise als Preisführer betätigten, war für eine Zeit lang tatsächlich nicht mehr zu beobachten – eine Koordination wurde damit zumindest für eine kurze Zeit unterbunden. Nach etwa vier Monaten jedoch, haben sich die Anbieter neu koordiniert und einen neue Strategie des Parallelverhaltens entwickelt.

In Österreich gilt seit Juli 2009 eine ähnliche Preisregel. Hier dürfen die Tankstellen den Benzinpreis lediglich einmal pro Tag anheben. Im Gegensatz jedoch zu Westaustralien, dürfen die Anbieter danach den Preis aber beliebig oft senken. Ab Januar 2011 gilt eine leicht modifizierte Regel, seitdem ist eine Preiserhöhung nur noch um 12.00 Uhr mittags möglich. Preissenkungen sind jedoch nach wie vor erlaubt. Auch in Österreich werden die Preise zuvor an die Wettbewerbsbehörde gemeldet, welche diese dann auf einer Website veröffentlicht. Eine Wirkung kann sich möglicherweise über eine deutlich schwankende Nachfrage im Tagesverlauf entfalten. Wird ein Preis um 12.00 Uhr festgesetzt, dauert es einige Zeit bis zur nächsten Nachfragesteigerung zum Feierabendverkehr. Bis dahin kann es durchaus zu Preissenkungen kommen.

In den Medien wurden beide Regeln intensiv diskutiert. Während die „Österreichische Regel“ relativ skeptisch gesehen wurde, ist der „Westaustralischen Regel“ häufig mehr Sympathie entgegen gebracht worden. Beide stellen einen relativ starken Eingriff in den Marktprozess dar, sind jedoch zu verhältnismäßig geringen Kosten anwendbar.

In einem in Kürze erscheinenden DICE Diskussionspapier (Dewenter/Heimeshoff, Less Pain at the Pump? The Effects of Regulatory Interventions in Retail Gasoline Markets) untersuchen wir die Wirkungen der Preisregeln auf die Höhe der Benzinpreise in Westaustralien und Österreich. Wir vergleichen dabei anhand eines Differenz-in-Differenzen-Ansatzes die Entwicklung der Benzinpreise sowohl vor und nach der Einführung der Regeln als auch zwischen einzelnen Staaten.

Unsere Ergebnisse widersprechen dabei deutlich den in den Medien diskutierten Einschätzungen der Regeln. Während die favorisierte Westaustralische Regel unseren Resultaten zufolge im besten Fall keine und im schlechtesten Fall eine leicht erhöhende Wirkung auf die Benzinpreise hat (wir schätzen eine Erhöhung von max. 1.4%), führt der österreichische Ansatz durchaus zu einer Preissenkung. Tatsächlich sind die Preise in Westaustralien zunächst gesunken, über den gesamten Zeitraum bis zum heutigen Tag ist jedoch keine wesentliche Preisänderung feststellbar.

Vergleicht man jedoch die Preisentwicklung in Österreich über die Zeit und zu 24 anderen europäischen Ländern, kommt man zu einem gänzlich anderen Ergebnis. So ist hier (je nach Treibstoffart und Ansatz) eine Preissenkung von 5-8% zu verzeichnen. Wäre es also nicht zu der Einführung der Regel gekommen, wären die Preise in Österreich heute wohl um 7-11 Cent höher und würden damit deutlich näher bei den deutschen Preisen liegen.

Ob eine Anwendung der Österreichischen Regel so einfach auf Deutschland übertragbar ist und ebenfalls zu ähnlichen positiven Ergebnissen käme, bleibt tatsächlich ungewiss. Dennoch könnte es sich lohnen, einen genaueren Blick auf die Preisregel unserer Nachbarn zu werfen und eine mögliche Anwendung zu überprüfen.

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