Regulierung und effiziente Investitionsanreize: Herausforderungen in dynamischen Netzsektoren

Telekommunikation, Strom, Gas, Wasser, Eisenbahn und, wenn auch eingeschränkt, das Postwesen, sind typische Netzsektoren, die sich durch Ihre Eigenschaften als natürliches Monopol kennzeichnen. Dies bedeutet, dass sich aufgrund der Kostenstruktur im wettbewerblichen Umfeld nur ein, oder wenige Unternehmen am Markt durchsetzen.

Um diesem zu begegnen werden diese Sektoren typischerweise von der Bundesnetzagentur reguliert (eine Ausnahme für die oben genannten Sektoren ist hierbei der Wassermarkt, der aber unter verstärkter Beobachtung des Kartellamtes steht). Diese Regulierung hat sich unterschiedlich gut eingespielt und kann z.B. für den Telekommunikationssektor im Großen und Ganzen aus einer rein statischen Perspektive relativ gut die wirtschaftliche Effizienz, d.h. die effiziente Bereitstellung der Dienste zu verhältnismäßig günstigen Preisen sicherstellen (z.B., Monopolkommission 2011).

Ein vielfach betrachteter Problembereich ist jedoch, dass die Regulierung, aufgrund der Persistenz von Monopolbereichen, nicht nur temporär, sondern dauerhaft den Markt betreut und hierbei auch für eine Effizienz im dynamischen Sinne Sorge tragen muss. Das Setzen von effizienten Investitions- und Innovationsanreizen wird zudem noch dadurch verkompliziert, dass die regulierten Sektoren, in unterschiedlichem Maße, komplementär zu anderen Sektoren sind und hierdurch eine Regulierung nicht nur die Effekte auf dem regulierten Markt, wie dem Zugang zu Breitbandinternet sondern auch in komplementären Märkten, wie in Internet-Services (z.B. Film- oder Musikstreaming) beeinflusst. Dieses Problem greifenwir (Haucap und Klein, 2012) in einer aktuellen Studie auf.

Wir untersuchen in dieser Studie insb. die Interaktionen der Qualitätsbereitstellung zwischen einem regulierten Zugangs- und einem wettbewerblichen Service-Sektor.Das Problem stellt sich z.B. im Internet. Während im Breitbandbereich die Zugangspreise vielfach reguliert sind, gilt dies für die Content-Anbieter wie youtube oder google nicht. Die Geschwindigkeit eines Downloads oder Livestreams hängt jedoch sowohl von der Bandbreite des Internetzugangs ab als auch von den Investitionen der Inhalte-Anbieter in Serverstandorte und Kompressionstechniken.

Um dies abzubilden, geht unser Modell gehtvon einer Preisregulierung eines Monopolisten aus, welche seine Investitionsanreize beeinflusst,in Übereinstimmung mit einem Großteil der Regulierungsforschung, negativ.Für den komplementären Markt jedoch sind die Anreizwirkungen der Regulierung nicht so eindeutig. Vielmehr hängen diese Anreize sowohl von der Qualität des Zugangsproduktesals auch vomZugangspreis ab. Während eine Erhöhung der Qualität (Erhöhung der Zugangsgeschwindigkeit) im Zugangsmarkt die Zahlungsbereitschaft auch füranspruchsvolle Dienste erhöht (weil diese dann besser laufen), verringert ein höherer Preis für den Zugang selbst die verbleibende Zahlungsbreitschaft für zusätzliche Dienste. Eine (hypothetische) Lockerung der Preisregulierung bei den Zugangsprodukten hat daher zwei gegenläufige Effekte für die Inhalteanbieter: Zum einen wird es für den Infrastrukturanbieter reizvoller, in Qualität zu investieren, weil er damit mehr verdienen kann. Davon profitieren auch die Inhalteanbieter. Zum anderen sind die Verbraucher jedoch nur noch weniger bereit für Inhalte zu zahlen, wenn sie schon für den Zugang mehr zahlen müssen. Da nun aber die Gesamtqualität nicht nur vom Zugangsprodukt abhängt, sondern auch von der Qualität der Dienste (Kompressionsverfahren, attraktivere Inhalte), ist die relative Bedeutung der beiden Qualitäten, so wie sie vom Konsumenten empfunden werden,entscheidend. Angenommen, die allgemeine Qualität von Zugangsmöglichkeiten ist relativgering und für die Verbraucher ist eine Erhöhung der Qualität im Zugangsbereich wichtiger (z.B. wenn es Dienste gibt, die nur sehr langsam und mit Aussetzern laufen), dann kann eine strengere Preisregulierung zum Absenken der wahrgenommener Qualität sowohl im Zugangs- als auch im Dienste-Markt führen. Wenn nun aber die Wertschätzung für neue bessere Dienste höher ist (z.B. wenn es viele Dienste gibt, die wenig von einer höheren Zugangsgeschwindigkeit profitieren und nur ein geringes Angebot, dass tatsächlich diese Geschwindigkeiten nutzt), kann die wahrgenommene Gesamtqualität bestehend aus Zugangs- und Servicequalität steigen.

Was bedeutet das für die Regulierung? In Situationen, in denen die wahrgenommene Qualität am Zugang hängt, kann eine zu strenge Regulierung in erheblichem Maße Wohlfahrt vernichten– auf Zugangs und Serviceseite. Wenn es aber (noch) wenige Anwendungen für eine neue Zugangsqualität gibt, so kann eine striktere Regulierung nicht nur die statische Effizienz erhöhen, die sich in günstigen Preisen für den Konsumenten widerspiegelt, sondern auch die insgesamt wahrgenommene Qualität. Eine schwierige Aufgabe für Regulierungsbehörden, die es erfordert, dass neben den Gegebenheiten des Zugangsmarktes, auch die aktuelle Situation auf dem Markt für Internet-Dienste berücksichtigt werden muss.

Referenzen

Haucap, J. und G. J. Klein (2012), How Regulation Affects Network and Service Quality in Related Markets, Economics Letters (forthcoming).

Mopolkommission (2011), Telekommunikation 2011: Investitionsanreize stärken, Wettbewerb sichern,Sondergutachten 61, Bonn, verfügbar unter:

http://www.monopolkommission.de/sg_61/s61_volltext.pdf

Share and Enjoy:
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • email link Regulierung und effiziente Investitionsanreize: Herausforderungen in dynamischen Netzsektoren
  • Twitter

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.