Regulation killed the radio star – Radiomarkt in NRW

Warum gibt es in NRW eigentlich so wenige Radiosender? Und vor allem keine guten? Dass man in Berlin ein umfangreicheres (und besseres) Radiosenderangebot vorfindet als in Düsseldorf mag noch nicht besonders verwundern. Aber dass es sogar in Nürnberg (Mittelfranken – unten im Süden) mehr Radiosender – und vor allem deutlich bessere – als in Düsseldorf gibt, darf dann doch stutzig machen.

Im Vergleich: In der Metropolregion Düsseldorf (Rhein-Ruhr) leben 10 Millionen Einwohner auf 7.000 km2 Fläche. Die Metropolregion Nürnberg hat 3,5 Millionen Einwohner auf 19.000 km2 Fläche (knapp das 2,7fache an Fläche, dafür nur 1/3 der Einwohner). Radiosender in Düsseldorf: WDR1-100, Funkhaus Europa, Deutschlandradio, Radio Neandertal, Antenne Düsseldorf, 1Live (was ja aber öffentlich-rechtlich ist) und noch so ein paar kleinere. Und Nürnberg? Bayern1-100, Antenne Bayern, Charivari, Jazztime Nürnberg, vilradio, Radio F, Energy Nürnberg, afk max, Star FM, Radio Z, Hit Radio N1, Gong 97.1, egoFM und und und…[1]

Zuerst dachte ich: Na gut, die Leute hier in NRW mögen einfach ihr 1Live, jeder kennt die Musik, jeder kennt die Witze, man versteht sich, man kennt sich. Vielleicht schätzen die Leute hier die Gemeinschaft einfach mehr als Vielfalt. Ansonsten sollte die Kreativität in Sachen Radio und Musik in einem der größten Ballungsgebiete Europas ja keine Grenze kennen. Das Radioangebot sollte es also mindestens mit Berlin, auf alle Fälle jedoch mit Nürnberg aufnehmen können.

Weit gefehlt: Das „Zwei-Säulen-Modell“ weiß das zu verhindern. In NRW gibt es keine landesweiten privaten Sender, lediglich verschiedene Lokalradios in 46 Sendegebieten. Das Zwei-Säulen-Modell garantiert die „Trennung von Kommerz und Programm“. Gott sei Dank! Man muss sich ja nicht wundern, wenn man sich die Leute in Berlin oder Bayern anschaut. NRW passt auf! Bei dem „in der bundesrepublikanischen Medienlandschaft bisher einmalig[e]“ System geht es um den Bürger, nicht um Kommerz.

Es wird rechtlich getrennt zwischen: Veranstaltungs- und Betriebsgesellschaft (VG und BG). Erstere ist ein eingetragener Verein und vertritt verschiedene Interessengruppen: „die VG erhält die Zulassung für die Veranstaltung eines lokalen Hörfunkprogramms von der [Landesanstalt für Medien] LfM, ist allein verantwortlich für das Programm und Arbeitgeberin der Redakteurinnen und Redakteure“. Aha! Und die BG? Die stellt die finanziellen Mittel zur Programmveranstaltung zur Verfügung. Immerhin!

Auch in anderen Bundesländern gibt es natürlich Mechanismen, um das Programm und die Vielfalt zu beobachten und ggfs. einschreiten zu können. Aber dieses bisher einmalige System geht weiter. Hoffentlich bleibt es auch so einmalig! Gut, dass man über das Internet auf eine praktisch unbegrenzte Anzahl an Radiosendern zugreifen kann. Gut, dass die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen nur wenig Einfluss auf die Programmgestaltung im Rest der Republik hat. Schade, dass eine Metropolregion, die ihres gleichen in Europa sucht, ein so unattraktives Radioangebot hat. Die Bedeutung des Hörfunks hat sicher abgenommen. Die Lust der Bürger auf gute Unterhaltung, gute und abwechslungsreiche Musik sicher nicht. Es wäre interessant zu sehen, wie sich landesweite private Radiosender entwickeln, welcher Humor, welche Musik angeboten werden würde und natürlich welcher Schaden den Bürgern in NRW dadurch entstehen würde. Wenigstens beteiligen sich durch die Reform der GEZ nun auch wirklich alle angemessen an der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Angebots.

 



[1] Jeweils auf das Stadtgebiet bezogen.

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2 Kommentare

  1. Dem Artikel kann man nur zustimmen. Auf dem Weg in den Norden kamen mir mehrere private Sender zu Ohren, deren Qualität um einiges höher anzusiedeln war als jene aus NRW.

    Eigentlich ein Trauerspiel beim bevölkerungsreichsten Bundesland.

  2. Sehr guter Beitrag.

    Glücklicherweise nimmt der Einfluss der LfM durch die abnehmende Bedeutung der terrestrischen Übertragung ab. Dank Internet und Satelliten- und Kabelempfang ist mit den entsprechenden Empfangsgeräten zumindest an vielen Orten die Sendervielfalt gesichert.

    Wenn ich gute Musik hören möchte, ist es mir ohnehin egal, ob der Sender nun aus Berlin, Nürnberg oder Düsseldorf sendet.

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