Freigabe des Dopings im Profisport?

Mit Stefan Schumacher hat ein weiterer Radrennfahrer gestanden, systematisch gedopt zu haben. Über Jahre soll er Epo, Wachstumshormone und Steroide zu sich genommen haben. So richtig überrascht dieses Geständnis jedoch niemanden mehr. Spätestens seit dem bekannt ist, dass insbesondere erfolgreiche Fahrer systematisch und unter einem extrem hohen Gesundheitsrisiko, bis hin zur Einnahme lebensgefährlicher Dosen, gedopt haben, ruft ein solches Geständnis nicht mehr als ein Schulterzucken hervor.

Es wäre auch naiv zu glauben, viele andere Sportarten wären vom Doping nicht oder nur am Rande betroffen. Betrachtet man die Umsätze, die vor allem von den populären Massensportarten realisiert werden, so verwundert eher, dass nicht schon deutlich mehr Skandale aufgetreten sind. Gerade Sportarten wie Fußball, Football, Basketball oder Tennis sind hier wohl prädestiniert. Zwar ist in diesen Bereichen eine andere Verteilung zwischen Ausdauer und Schnellkraft gefragt, als beim Radsport. Jedoch können bekanntermaßen auch kraftsteigernde oder ausdauerfördernde Mittel eine gute Wirkung selbst bei technischen Disziplinen erzielen.

Eine immer wiederkehrende Forderung ist daher auch die nach der Freigabe des Dopings. Tatsächlich lassen sich auch durchaus ökonomische Argumente finden, die diese Forderung unterstützen. So wird angeführt, dass eine Freigabe die Unsicherheit darüber abbaut, wer ehemals illegale Substanzen zu sich nimmt. Dies würde zu besserer ärztlicher Verabreichung, Kontrolle und Versorgung führen und die Risiken des Dopings reduzieren. Ebenso könne dann der Athlet selber beurteilen, welche Mittel er konsumiert. Er könnte dies rational entscheiden und seinen erwarteten Erfolg und damit Einnahmen mit den möglichen (späteren) Schäden vergleichen. Wird über das Doping öffentlich berichtet, so kann auch der Zuschauer entscheiden, welchen Athleten er unterstützt und damit quasi mit den Füßen über das Verhalten der Athleten abstimmen.

Leider ist jedoch die Bewertung einer möglichen Freigabe nicht ganz so simpel wie bisher dargestellt. So ist eine vollkommen unbeschränkte Freigabe vor allem deshalb problematisch, da die Athleten starke Informationsachteile über die Wirkungen und Nebenwirkungen der Mittel haben. Sie können also erwartete Nutzen und Kosten nicht vollkommen rational miteinander vergleichen. Dies würde jedoch für eine stärkere Kontrolle und Aufsicht über das „legale“ Doping sprechen, was wiederum den Anreiz erhöht, auf weitere möglicherweise bisher unbekannte Mittel zurückzugreifen. Es käme dann zu einer Situation, die der jetzigen sehr ähnlich ist. Die Teams bzw. Sportveranstalter hätten Anreize, falsche Informationen weiterzugeben, da sie den Erfolg stärker bewerten als die möglichen Risiken. Auch der Zuschauer kann dann wiederum keine Beurteilung vornehmen und mit den Füßen abstimmen, da auch er nicht alle Informationen besitzt, die dazu nötig wären.

Ebenso ist davon auszugehen, dass es zu negativen Auswirkungen in anderen Bereichen als dem Profisport kommen könnte. Selbst bei vollkommener Beschränkung einer Dopingfreigabe auf den Profibereich, ist nicht ausgeschlossen, dass auch im Amateur- und Jugendbereich dieselben Mittel verwendet werden. Die Freigabe würde die vermeintliche Gefahrlosigkeit der eingenommenen Mittel signalisieren und damit den Druck für andere Sportler erhöhen, ebenfalls Dopingmittel zu konsumieren. Auch hier haben Teams und Veranstalter geringe Anreize, vom Doping abzusehen. Doping von Jugendlichen wäre vor allem dann reizvoll, um Nachwuchssportler frühzeitig an den Profisport heranzuführen.

Eine interne Lösung des Problems ist also wohl kaum von den Teams, den Sportlern oder den Veranstaltern zu erwarten. Dies ist weder durch das Versprechen, Sportler wettbewerbsintern zu bestrafen zu erreichen (wie die Beispiele des Radsports zeigen), noch scheint die Freigabe ein adäquater Weg zu sein. Vermutlich müsste eine unabhängige Instanz Bestrafungen vornehmen können, die keinen Anreiz hat Doping zu tolerieren.

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Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

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