Schadet sich Apple selbst?

There is an App for that“: Apple besitzt – wenig überraschend –  ein Patent für den Werbespruch, mit dem es für seinen App Store des iPhones und iPads wirbt. Der App Store ist die einzige Möglichkeit, eine App für Apples Betriebssystem iOS zu veröffentlichen und somit müssen die Entwickler sich Apples Regeln beugen. Dabei schränkt Apple die Funktionen und den Inhalt der Programme ein und verlangt Pauschal 30% des Umsatzes. Behindert Apple dabei den Wettbewerb und ist diese Strategie langfristig klug?

Microsoft droht eine Strafe von bis zu 10% des Jahresumsatzes, also 7,4 Milliarden Dollar, weil bei der Installation von Windows automatisch der eigene Internet Explorer installiert wird. Die EU sieht darin einen Missbrauch von Marktmacht, da somit Microsofts Browser sofort auf über 90% aller Computer eingerichtet ist und der Markteintritt für Konkurrenzprodukte erschwert werde. Deswegen fordert die EU bei der erstmaligen Inbetriebnahme von Windows eine neutrale Auswahlmaske, über die der Nutzer seinen Browser festlegt. Dabei geht es nicht einmal darum, dass Microsoft die Entwicklung von Konkurrenzprodukten des eigenen Internet Explorers behindert hätte, sondern lediglich darum, eine diskriminierungsfreie Auswahl des Standardbrowsers zu ermöglichen. Apple dagegen verfolgt die Strategie, Apps von Drittherstellern aus der Standardkonfiguration herauszudrängen. So sind in der aktuellen Version iOS 6 nicht mehr Google Maps und Youtube enthalten.

Weitaus problematischer ist aber, dass Apple gewisse Funktionen und Inhalte nach seinen eigenen Kriterien zensiert. Zunächst wurden Apps wie z.B. Google Voice abgelehnt, die Funktionen besitzen, die bereits im iPhone enthalten sind. Auch wurde ein Update auf Camera+ abgelehnt, weil es die Lautstärketaste als Fotoauslöser nutzte. Eine Funktion, die Apple später ironischerweise selber in sein Betriebssystem einbaute. Gleichermaßen wurde eine eReader-App nicht zugelassen, da man mit ihr das Kamasutra runterladen könnte – in Augen von Apple zu anstößig. Apple begründet seine restriktiven Regeln mit einem besseren, kontrollierten Benutzererlebnis und erhöhter Sicherheit.

Bei PCs und Macs gibt es nicht solche restriktiven Regeln, allerdings geht auch bei Microsofts Windows und Apples OS X der Trend Richtung geschlossenerer Systeme. Bei OS X ist seit zwei Jahren der Mac App Store integriert. Bei dem aktuellen Betriebssystem „Mountain Lion“ lassen sich standardmäßig nur Apps von zertifizierten Entwicklern installieren. Allerdings ist dies in den Einstellungen sehr einfach zu korrigieren. Eine solche Lösung, Nutzer könnten Apps aus anderen Quellen auf eigene Gefahr installieren, wäre auch für iOS denkbar, jedoch unwahrscheinlich.

Ein weiteres Problemfeld ist die Zahlungsabwicklung von in-App-Käufen. So verlangt Apple stets 30% des Umsatzes und verbietet es den Entwicklern, nur externe Bezahlungsmöglichkeiten anzubieten. Es wurde z.B. Sonys eReader aus dem App Store verbannt, da die Bücher hierfür nicht über Apples System verkauft wurden. Insbesondere die Zeitungsverlage sehen sich benachteiligt, da Apple an jeder Zeitung, die über eine App verkauft wird, 30% mitverdient und auch sämtliche Kundendaten für sich beansprucht und nicht weitergibt. Diese wären für die Verlage jedoch für Marketingzwecke und Kundenkontakt wichtig. Apple hat hier ein Monopol auf den Zugang zu iPads und iPhones und nutzt dieses aus. Da hilft es den Verlagen auch nicht, sich auf Android-Geräte zu konzentrieren, denn dann würden sie viele Kunden nicht erreichen können. Insgesamt hat Apple bereits über 500 Millionen iOS-Devices verkauft.

Um einen regulatorischen Eingriff rechtfertigen zu können, müsste Apple mit ihrem Betriebssystem über Marktmacht verfügen. Microsoft hat mit Windows einen Marktanteil von über 90% bei Computersystemen. Der Marktanteil von iPhone und iPad schwankt extrem, je nachdem wie man den Markt abgrenzt. So ist der Marktanteil an Handys unter 20%, der für Tablets aber über 50%. Für eine nachhaltige Bewertung ist der Markt wohl noch zu jung und zu dynamisch. Allerdings ist zu beobachten, dass Apple zunehmend künstliche Netzwerkeffekte generiert, um einen Lock-in-Effekt zu erzeugen. Bei Netzwerkeffekten steigt der Nutzen mit der Anzahl der Nutzer und Lock-in-Effekte entstehen durch die Kosten eines Wechsels zu einem anderen Handyhersteller. So ist zum Beispiel das Teilen von Fotos mit Fotostream nicht über iOS-Geräte und Macs hinaus möglich, genauso wie das Versenden von Nachrichten mit iMessages. Ein iPhone-Nutzer profitiert also davon, wenn möglichst viele seiner Bekannten auch ein iPhone besitzen, da er diese Funktionen dann umso öfter nutzen kann. Bei einem Wechsel zu einem anderen Handy könnte er diese nicht mehr nutzen und auch seine im App Store gekauften Apps würden nutzlos.

Eine weitere Öffnung des iOS-Betriebssystems für erfahrene Nutzer, die nicht von Apple an die Hand genommen werden müssen, und stärkerer Wettbewerb um die Gunst der Nutzer wäre sicherlich vorteilhaft für die Konsumenten. Jedoch wäre ein regulatorischer Eingriff zu früh, denn der Markt ist nur wenige Jahre alt und verändert sich sehr stark. Momentan hat Googles Plattform Android das stärkere Wachstum, sodass ein Intervenieren obsolet werden könnte. In den 80er Jahren war Apple mit dem Macintosh der Shootingstar der Branche, unterlag aber dem offeneren Windows. Mit dem iPhone hatte Apple erneut einen deutlichen Fortschritt vor der Konkurrenz, jedoch könnte mit Android erneut ein rivalisierendes, offeneres System Marktführer werden.

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1 Kommentar

  1. Ob native, von Betriebssystem abhängige Apps in den nächsten Jahren noch ein relevanter Faktor zur Differenzierung zwischen den „Ökosystemen“ der Technologieanbietern, halte ich darüber hinaus auf Grund folgender Argumentation für zweifelhaft:

    Wie viele neue Betriebssysteme erreichen einen relevanten Marktanteil? Neben Android und iOS treten ein modernisiertes Blackberry-System, Windows Phone 8 und ein Firefox OS ebenfalls an, den beiden aktuellen Platzhirschen gewisse Anteile abzunehmen. Noch sind die App-Ökosysteme dieser Plattformen relativ klein und insbesondere Microsoft versucht, durch hohe Marketingaufwendungen den Anteil der Windows-Phones zu erhöhen (kurzfristiger Effekt) und durch honorierte Entwicklerwettbewerbe für die besten Windows-Apps die Anzahl der verfügbaren Apps rasch zu erhöhen, um eine mittelfristig steigende Nachfrage nach Windows Phones zu erreichen.

    Gelingt es, mehrere Betriebssysteme zu etablieren, steigen auf Entwicklerseite die Entwicklungskosten je abgesetzter App auf Grund von geringerer potentieller Reichweite des App-Angebots, wenn man sich nur auf eine Plattform spezialisiert. (vereinfachend von stagnierendem Markt ausgehend. Aber mit steigender Zahl an App-Anbietern wird auch die steigende Nachfrage nach Apps relativiert) Wenn darauf hin die Nachfrage nach Tools steigt, mit denen eine reibungslose Portierung zwischen den Betriebssystemen möglich ist, bilden sich leistungsfähige Tools zur erbringung dieses Nutzens aus der Entwicklergemeinde selbst heraus.

    Wenn die Grenzen zwischen den Betriebssystemen aufweichen, verringert sich der exklusive Nutzen für proprietäre System, d.h. aktuell in erster Linie iOS von Apple, und ein möglichst offener Standard setzt sich durch. Dieser kann in diesem Fall z.B. Android heißen.
    Durch die relativ hohen Wechselkosten zwischen den Betriebssystemen auf Endanwenderseite ist eine Etablierung von mehreren Plattformanbietern unwahrscheinlich (anders als z.B. im Bereich der Webbrowser)

    Kurz- und mittelfristig wird damit durch einen erhöhten Wettbewerb auf dem Markt für Smartphone-Betriebssystemen aus dem aktuellen Quasi-Duopol (Apple + Google) in ein Oligopol (Apple + Google + Firefox + Microsoft + RIM + andere) ein Quasi-Monopol werden, in dem auf Grund einer offenen Plattform keine signifikanten Produzentenrenten mehr durch Abschöfpen von Eintrittsgebühren für App-Entwickler möglich sind.

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