Kalt gepresst – EU reguliert jetzt das Olivenöl!

Nachdem die EU sich erst kürzlich mit einer schärferen Regulierung für Obst und Gemüse beschäftigt hat, stürzt sie sich nun auf ein anderes Nahrungsmittel – auf das Olivenöl. Ab 2014 sollen in den Restaurants der Europäischen Union nur noch originale Einweg-Olivenölflaschen erlaubt sein, die nicht nachfüllbar sind und denen direkt die Herkunft und Qualität des Öls entnommen werden kann. Auch hierbei geht es nicht vornehmlich darum, gesundheitspolitische Ziele zu erreichen, etwa weil die typischerweise verwendeten Kännchen nicht regelmäßig gesäubert würden – es wurde zwar ebenso auf Hygienegründe verwiesen, jedoch keinesfalls in den Vordergrund gestellt. Vielmehr geht es darum, die Verbraucher vor schlechtem Olivenöl zu schützen! Jeder Restaurantbesucher soll sofort erkennen können, welches Öl er denn zu seinen Gerichten angeboten bekommt. Was ist also der nächste Schritt? Werden demnächst in den Pizzerien auch die Originalverpackungen von Soßen, Eiern und Nudeln auf den Tisch gelegt? Muss auch das Fleisch besonders ausgezeichnet werden?

Aber wozu führt diese Regelung? Nun, zunächst erhöht sie natürlich das Müllaufkommen. Es werden in jedem Fall mehr Verpackungen und Olivenölflaschen anfallen. Und dies, obwohl sowohl die EU als Ganzes als auch viele europäische Staaten mit einzelstaatlichen Regelungen bestrebt sind, Müll zu vermeiden statt zu vermehren. Außerdem wird der Verbraucher endlich darüber informiert, welches Öl er denn da auf den Tisch gestellt bekommt. Fragt man sich das nicht jedes Mal, wenn man ein Restaurant betritt? Mit welchem Öl streiche ich hier eigentlich mein Baguette ein? Ist das auch wirklich ein natives Öl und erfahre ich wohl auch, ob es aus Italien, Spanien oder Griechenland kommt? Es profitieren also auch die europäischen Olivenölproduzenten. Denn die Regulierung ist tatsächlich Teil eines Aktionsplans, der das Image der europäischen Hersteller verbessern soll!

Letztendlich ist die Regelung also nichts anderes als einfache Industriepolitik, zu Lasten der Restaurants und der Müllvermeidung. Solange sich die EU jedoch mit solchen Fragen beschäftigt, mache ich mir über die Krise keine Sorgen.

NACHTRAG: Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Mittlerweile wurde die Verordnung aufgrund massiver Kritik wieder zurückgezogen!

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Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

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