Europäisches Google und deutsches Facebook?

Auf eine geradezu absurde Idee sind Hans-Peter Uhl (CDU) und Dieter Wiefelspütz (SPD) im Zusammenhang mit der Prism-Affaire gekommen. Beide haben sich, um eine gewisse Unabhängigkeit von amerikanischen Anbietern zu erreichen, für eine „eigene Kommunikationstechnik“ bzw. „angemessene Alternativen“ ausgesprochen. Genauer gesagt, sie fordern deutsche oder europäische Alternativen zu Google, Facebook und ähnlichen Plattformen. Das Ganze sollte staatlich erstellt oder aber zumindest staatlich subventioniert werden.

Die Rede ist in diesem Zusammenhang von einem dreistelligen Millionenbetrag, der investiert werden soll, um ein entsprechendes Angebot zu erstellen. Aber würde das ausreichen, um ein europäisches Google oder Facebook zu errichten? Betrachtet man die Investitionen und vor allem stetige Weiterentwicklung der Plattformen, so ist dies mehr als fraglich. Es ist ja auch nicht damit getan, einmalig eine solche Technologie zu entwickeln. Vielmehr müssten die Plattformenm stetig weiterentwickelt und den Bedürfnissen der Nutzer angepasst werden, damit die User das Angebot tatsächlich auch annehmen. Denn was nutzt die schönste Plattform, wenn sie nicht von den Nachfragern angenommen wird? Geht man davon aus, dass sowohl bei sozialen Netzwerken, als auch bei der Erstellung von Suchergebnissen starke Netzwerkeffekte eine Rolle spielen, so kann eine Staatsplattform wohl nicht so ohne weiteres in den Markt eintreten oder gar im Wettbewerb bestehen.

Hinzu kommt, dass Staatsunternehmen eher träge sind und zu überhöhten Kosten tendieren. Dies ist aber besonders in dynamischen und innovativen Industrien ein klarer Nachteil. Gerade die großen Internetplattformen nehmen nicht umsonst eine – zumindest gemessen an den Marktanteilen –dominante Stellung ein. Zwar kann es im Wettbewerb zwischen Internetplattformen sehr schnell zu einem Führungswechsel kommen, insbesondere dann, wenn ein neues Angebot die Präferenzen der Nutzer besser mit neuen Angeboten abdecken kann. Dass dies von einem staatlichen Angebot erwartet werden darf, ist dagegen jedoch sehr unwahrscheinlich – oder aber ein solches Angebot wäre mit extrem hohen Investitionen verbunden.

Ein Teil dieser Investitionen sollte dagegen wohl besser (anstatt von einem europäischen Google zu träumen) in den Datenschutz und die entsprechende Forschung fließen, um den Missbrauch der enormen Datenmengen zu erschweren, die täglich erhoben werden.

Share and Enjoy:
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • email link Europäisches Google und deutsches Facebook?
  • Twitter
Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.