Benzinpreistransparenzstelle

Vor kurzem ist die Testversion der Benzinpreismelde- bzw. Benzinpreistransparenzstelle eröffnet worden. Ab jetzt können die Autofahrer vor dem Tanken die jeweils aktuellen Preise bei verschiedenen Online-Plattformen abfragen. Das konnten sie zwar auch schon vorher – nun ist aber sichergestellt, dass es sich dabei auch tatsächlich um aktuelle Preise handelt – bisher hatte niemand dafür eine Garantie übernommen. Dies ist nun anders.

Die Hoffnung die mit dem System verbunden wird ist die, dass es zu mehr Wettbewerb unter den Anbietern führt, da nun womöglich eine größere Preistransparenz herrscht. Vertikale Preistransparenz ist oftmals tatsächlich ein wichtiger Faktor für funktionsfähigen Wettbewerb. Nur wenn die Konsumenten tatsächlich auch wissen, wo sie ein Produkt oder eine Dienstleistung zum günstigsten Preis erhalten können, können sie auf Preisänderungen schnell reagieren. Dies gilt insbesondere, je homogener die Produkte sind. Und eines ist klar, Benzin ist ein extrem homogenes Produkt – auch wenn die Mineralölgesellschaften das nicht so gerne hören und z.T. versuchen mit eigenartigen Marken künstlich eine Produktdifferenzierung zu erzeugen.

Es bleibt jedoch abzuwarten, ob der erwünschte Effekt tatsächlich eintreten wird. Denn neben dem positiven Effekt auf die vertikale Transparenz gibt es auch ein paar Argumente, die gegen einen Preissenkungseffekt sprechen. Zum einen waren die Preise auch vor der Einführung des Systems (mehr oder weniger) bekannt. Auch wenn Online-Plattformen wie billiger-tanken.de und andere keine Garantie geben konnten, so stimmte die Tendenz doch in aller Regel. Verbunden mit der Tatsache, dass bestimmte Anbieter wie Jet und freie Tankstellen in aller Regel billiger sind als die (anderen) Markentankstellen und die Autofahrer darüber hinaus oftmals die günstigen Tankstellen in der Nähe kennen, sollte der Effekt nicht allzu groß sein.

Ebenso gibt es bereits Erfahrungen aus anderen Ländern, wie z.B. Österreich. Dort werden Benzinpreise reguliert und über eben eine solche Transparenzstelle verkündet. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass nach einer anfänglichen Euphorie diese Datenbank nur relativ wenig genutzt wird.

Ein dritter und letzter Punkt spricht ebenso gegen eine solche Meldestelle. Nicht nur die Autofahrer, sondern ebenso die Tankstellenbesitzer können diese Transparenzstelle nutzen und die Preise der Konkurrenz beobachten. Dies ist zwar schon lange üblich, nur müssen die Anbieter jetzt nicht mehr von Konkurrent zu Konkurrent fahren, um die Preise zu erfahren, sondern können diese direkt übers Internet beziehen. Diese horizontale Transparenz sorgt dafür, dass die Anbieter sofort auf Preisänderungen reagieren können. Sie sorgt aber auch dafür, mögliches Parallelverhalten zu stabilisieren. Die Preise können eben nicht mehr verändert werden, ohne dass die Konkurrenz das mitbekommt, um damit ein paar Stunden einen Preisvorteil zu haben.

Insgesamt darf man also abwarten, wie sich das neue System auf die Benzinpreise auswirken wird. Eine valide Aussage kann man leider wohl erst in mehreren Monaten treffen, wenn allzu zufällige Effekte ausgeschlossen werden können. Trotzdem darf man gespannt sein…

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Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

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