Das deutsche Wurstkartell

Nach dem Kartell der „Schienenfreunde“, der Preisabsprache über Kloschüsseln und andere Sanitärartikel sowie dem Dönerkartell, sind jetzt auch die Würste betroffen. Doch so lustig sich das Ganze anhört, so ernst ist das Thema in Wahrheit. Wieder einmal gehen dem Verbraucher Millionen Euro durch ein Preiskartell verloren, ohne dass er dafür in irgendeiner Form entschädigt wird. Denn anders als bei Unternehmen, die als Nachfrager oder Zulieferer möglicherweise durch ein Kartell geschädigt werden, können die Verbraucher kaum einzelne Klagen anstrengen, um ihre Verluste zu kompensieren. Außerdem: Wie hoch mag der Wohlfahrtsverlust pro verzehrter Wurst schon sein?

Aufgedeckt wurde das Kartell durch eine anonyme Anzeige gegen einen der Hersteller. Jedoch fast alle namhaften Produzenten, etwa 24 Firmen, sollen sich über die Wurstpreise abgesprochen haben. Für ein illegales Kartell ist das schon eine relativ große Zahl. Und einige Wursthersteller haben wohl auch schon Verfehlungen zugegeben. Medien berichten nun von möglichen Strafen in dreistelliger Millionen Höhe und einige der Produzenten fühlen sich angeblich schon in ihrer Existenz bedroht.

Die Frage, wie hoch eigentlich eine Kartellstrafe ausfallen sollte, wurde ja schon mehrfach diskutiert. Soll der Wettbewerb geschützt und damit die Wohlfahrt maximiert werden, müssen die Strafen natürlich anreizkompatibel und effektiv sein, also Kartelle möglichst verhindern. Gleichzeitig darf der Wettbewerb nicht dadurch geschädigt werden, dass durch Marktaustritte die Zahl der Unternehmen so stark verringert wird, dass die Wettbewerbsintensität spürbar nachlässt und in den Folgejahren allein dadurch Wohlfahrtsverluste entstehen. Eine Strafe muss also auch immer im Rahmen der Finanzierbarkeit bleiben.

Auf der anderen Seite haben die Unternehmen ja durchaus übermäßige Gewinne erwirtschaftet und waren in der Lage, Rücklagen für den Fall der Entdeckung zu bilden. Dies würde lediglich dann nicht möglich sein, wenn ein Verbleiben im Markt ohne die Kartellgewinne gar nicht denkbar wäre. In diesem Fall jedoch wäre ein Marktaustritt ohnehin erfolgt – eventuell würde er dadurch lediglich beschleunigt. Auf milde Strafen sollten die Wurstfabrikanten also besser nicht hoffen…

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Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

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