Zurück zum Papier – Newsweek versucht’s doch nochmal

Premium-Produkt statt Ramschware – die Newsweek sucht sich ihren Platz: Vom Papier, zum reinen Online-Angebot hin zur Boutique-Zeitung. Fähnchen im Wind, Zukunftsmodell oder Korrektur einer falschen Strategie?

„In 20 Jahren wird kein Papier mehr bedruckt“ verkündete einst Rupert Murdoch. Wie zum Beweis stellte die Newsweek 2012 auch ihre Druckausgabe ein. Doch jetzt die Rückkehr zum Papier. Zunächst sollen 100.000 gedruckte Zeitungen im Abonnement verkauft werden. Im Vergleich zu der Auflage von 3 Millionen noch vor 20 Jahren ist das zwar sehr wenig, aber trotzdem bemerkenswert.

Verzichtet wurde auf das Print-Angebot, um Kosten zu sparen. Und in der Tat, der Druck einer Zeitung ist teuer und aufwendig. Druckmaschinen, Tinte und Papier sind zwar nicht mehr knapp, wie vielleicht noch in Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, doch auch nicht umsonst. Zusätzlich fallen noch Personalkosten an; aber vor allem braucht der Druck Vorlaufzeit. Gedruckte Zeitungen sind daher sehr unflexibel.

Gedruckte Zeitungen sind unflexibel

Zeitungen haben deutliche Nachteile gegenüber Online-Angeboten. Sie brauchen Vorlaufzeit und können nur schwerfällig reagieren. Druckfehler bleiben gedruckt, neue Entwicklungen können frühestens am nächsten Tag berücksichtigt werden. Im Zweifel steht auf der ersten Seite auch nur das, was gestern in der Tagesschau lief. Was über Nacht passiert, erfährt man aus dem Internet, nicht aus der Zeitung. Ist die Nachricht erstmal geschrieben, ist es auch günstiger sie online zu vertreiben. Und an all die Bäume, die zu Papier werden will man gar nicht denken.

Verdienen Verlage wirklich viel Geld mit dem Verkauf einer Zeitung? Zieht man Druck und Vertrieb ab, was bleibt dann noch übrig? Empirische Untersuchungen zeigen, dass Magazine häufig unter Grenzkosten verkauft werden. So sollen mehr Leser gewonnen werden, Anzeigen werden dann wertvoller für Werbekunden. So sagt es die ökonomische Theorie. Zweiseitige Märkte heißt das dann. Haben Werbekunden ein starkes Interesse an Lesers, kann der Preis auf null sinken. Ja, sogar negative Preise sind denkbar oder Preise unterhalb der Produktionskosten. Darum wieder die Frage: Was bleibt eigentlich übrig beim Verkauf einer Zeitung? Wie viel verdient eine Zeitung überhaupt mit einem gedruckten Artikel und was bezahlt ein Kunde pro Artikel?

Zeitungen sind die Boutiquen des Journalismus

Warum also noch Zeitungen? Scheinbar lohnt es sich doch, sonst würde die Newsweek nicht wieder die Druckpressen ausmotten. Einige Menschen lesen offensichtlich lieber auf Papier als am Bildschirm, halten lieber eine Zeitung in der Hand, als ein iPad oder einen Laptop auf dem Schoß. Es geht eher um die Gewohnheit, um den Komfort beim Lesen. Viele Röcke und Schuhe, die man in einer Boutique kauft, hätte man auch übers Internet bestellen können, wahrscheinlich sogar billiger.

Wochenmagazine wie der Spiegel oder die Zeit verzeichnen zuweilen sogar wachsende Auflagen. Sie bieten Hintergrundinformationen, Reportagen, längere Berichte. Inhalte, für die man sich gerne Zeit nimmt. Inhalte, über die man nicht nur eben drüberscrollt. Online präsentieren sich die Magazine dagegen anders: Aktuelle Nachrichten, Eilmeldungen und ein bisschen Boulevard. Auch Inhalte aus dem Magazin, dann aber zeitverzögert.

Und die Tageszeitung? Die gedruckte Zeitung kann nicht mithalten mit der Frequenz und der Flexibilität des Online-Angebotes. Muss sie aber auch nicht. Sie hat andere Stärken: In ihr wird gelesen. Wochenzeitungen werden online zu Tageszeitungen oder sogar zu News- und Live-Tickern, warum sollten Tageszeitungen sich nicht auch im Print an Wochenzeitungen orientieren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden viele Zeitungen nur jeden zweiten Tag aufgelegt. Grund war die Materialknappheit, funktioniert hat es auch. Und warum sollte die Zeitung versuchen das zu leisten, was nur online kann.

„Ich wüsste nicht, warum es die Süddeutsche Zeitung in 20 Jahren noch geben soll“, sagte Jakob Augstein. Ich hätte da zumindest eine Idee. Vielleicht bewahrheitet sich auch das Rieplsches Gesetz? Kein Medium würde demnach durch ein neues verdrängt. Die Zeitung muss sich nur neu positionieren, das mag für den einen oder anderen schmerzhaft sein, nötig ist es allemal.

Share and Enjoy:
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • email link Zurück zum Papier – Newsweek versucht’s doch nochmal
  • Twitter

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.