Google vs. Amazon – Wettbewerber oder Monopolisten?

Google ist Monopolist. Amazon auch. Und wir sind alle in Gefahr. Der Erfolg der großen Internetkonzerne führt zunehmend zu Bedenken in der Gesellschaft. Gerne würde man sehen, dass der Staat endlich etwas dagegen unternähme und seine Bürger vor dieser Bedrohung beschützt. Das Wettbewerbsrecht liefert dazu bislang allerdings wenig Angriffspunkte. Im Gegenteil: Wem würde es helfen eines der großen Unternehmen zu regulieren? Wie funktioniert der Wettbewerb im Internet? Eine Überlegung anhand von Google und Amazon.

Google monopolisiert den Suchmarkt und alle Märkte, die dem Unternehmen in die Quere kommen. Damit aber nicht genug: Suchergebnisse werden verzerrt, Konkurrenten bewusst ausgeschlossen und Konsumenten auf die qualitativ weit unterlegenen unternehmenseigenen Dienste gelenkt. Und Amazon: Buchhändler werden nach und nach aus dem Markt gedrängt, Autoren können ihre Bücher nicht mehr anbieten oder werden nur noch mit Cent-Beträgen entlohnt und die Versandarbeiter werden sklavenmäßig ausgebeutet.

Man hat das Gefühl, irgendwas würde nicht mit rechten Dingen zu gehen. Bei Google liegt es auf der Hand: ein Marktanteil von über 90% auf dem Suchmarkt. Auch Ökonomen attestieren Google daraufhin gerne Marktmacht. Was ein Suchmarkt ist, was dazu gehört oder nicht, wird dabei meist nicht ganz so akkurat geklärt wie der tatsächliche Marktanteil. Zu stark ist das Gefühl, dass etwas nicht stimmen kann. Schnell ist man dann auch zu Vorschlägen wie Zerschlagung oder gar Verstaatlichung bereit. Gegen Amazon formiert sich ebenfalls der Widerstand. Autoren klagen über die schlechten Bedingungen und die Profitgier des Konzerns. Auch hier wird ein mögliches Monopol befürchtet.

Gibt es also zwei Monopole, die sich die digitale Welt aufteilen? Die Meldungen der letzten Wochen lassen diese Vermutung zweifelhaft erscheinen. Es ist sieht eher so aus, als würden Google und Amazon sehr stark miteinander konkurrieren.

Wo und wie konkurrieren Google und Amazon? Beispielsweise bei Musik-Streamingdiensten, als Smartphone-Hersteller, als App- und Inhalteanbieter für Smartphones oder bei Cloud-Diensten. Aber auch die Kernbereiche der beiden Internetfirmen sind betroffen: Google scannt Bücher und bietet Online Zugang dazu an, Produkte aller Art findet man oft nicht am schnellsten bei Google, sondern bei Amazon. Amazon hat darüber hinaus aber auch noch einen Marktplatz, auf dem gebrauchte und neue Güter aller Art gesucht und gefunden werden können.

Aber damit nicht genug: Amazon plant eine eigene Werbeplattform. Werbung soll dem Kontext entsprechend angezeigt werden. Also eine Art Google AdWords Klon. Der Online-Werbemarkt hat großes Potential: Schätzungen gehen von einer Verdreifachung der momentanen Ausgaben für Online-Werbung aus (derzeit wird der Markt auf ca. vier Milliarden Dollar geschätzt).

Und letzte Woche kaufte Amazon Twitch. Eine Plattform auf der man „nur“ Online-Spiele gucken kann – vergleichbar mit einem Sportevent. 32 Millionen Zuschauer konnten bereits auf einmal angelockt werden – für ein Spiel, mit Live-kommentator. Google will dafür einen eigenen Drohnen-Lieferservice aufbauen. Die Idee wurde ja bereits vor einiger Zeit von Amazon getestet.

Amazon und Google konkurrieren im Prinzip also überall dort, wo man Kundendaten sammeln und nutzen kann. Das klingt eher nach einem echten Konkurrenzkampf als nach gefestigten Monopolen. Und dann gibt es ja immer noch Facebook, eBay, Twitter, Tumblr, NetFlix und viele andere aufstrebende Services. Betrachtet man die Lage im Internet in Ruhe, gibt es keinen Grund in Panik zu geraten und mit schwerer staatlicher Regulierungs-Artillerie auf Google zu zielen. Ein gefestigtes Monopol, das hohe Preise durchsetzen kann, Konkurrenten ausschließt, die Wohlfahrt senkt und sich als alleiniger Herrscher über alle digitalen Inhalte ausbreitet scheint nicht unmittelbar bevorzustehen.

Im Gegenteil, man müsste sich fragen, was wohl passieren würde, wenn man nur einen der großen Spieler regulieren würde. Würde man damit vielleicht einer anderen Firma den Weg ebnen, um ebenfalls einen oder mehrere Märkte zu monopolisieren? Was wäre dadurch gewonnen? Stattdessen könnte man sich fragen, um was die Internetunternehmen genau konkurrieren, oder anders ausgedrückt: Wodurch wird das Verhalten der Unternehmen im Wettbewerb eingeschränkt? Gibt es einen Markt für Kundensammeldienste? Für Aufmerksamkeit? Was ist der Schaden für den Konsumenten?

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