Es ist genauso schlecht eine Karte zu viel zu haben wie eine zu wenig…

Vielen Internetplattformen wird Marktmacht unterstellt. Wettbewerbsverfahren wurden eingeleitet und selbst Regulierung oder Zerschlagung wurden schon vorgeschlagen. Doch was ist dran an der Marktmacht und ist diese überhaupt schlecht? Bei starken Netzeffekten können auch Monopole vorteilhaft sein.

Single-Bars bringen partnersuchende Frauen und Männer zusammen. Für Männer ist eine Bar dann besonders interessant, wenn dort viele Frauen sind. Für Frauen umgekehrt, wenn sie dort eine große Auswahl an Männern findet. Gibt es nur eine Bar in einer (Klein-)Stadt, kann man dort alle paarungswilligen Singles treffen. Je mehr Bars es aber gibt, desto weniger Singles trifft der Suchende in jeder einzelnen Bar. Will man alle potentiellen Kandidaten kennenlernen, muss man alle Bars besuchen – am besten gleichzeitig, ansonsten verpasst man sich vielleicht genau.

Ist es für die Singles also besser mehrere Bars zu haben? Die Eintritts- und Getränkepreise sinken durch den Wettbewerbsdruck. Dadurch werden mehr Singles angelockt, insgesamt kann man mehr Singles treffen. Die Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Partner zu treffen nimmt aber ab. Die Singles verteilen sich auf viele verschiedene Anbieter.

Auf wachsenden Internetmärkte ist es ähnlich. Auch hier liegen indirekte Netzeffekte zwischen verschiedenen Kundengruppen vor. Eine Plattform, wie beispielsweise Google, bietet nicht nur die Dienstleistung „Suche im Internet“ an, sondern auch Werbemöglichkeiten für Unternehmen. Sucher sind einerseits Kunden und andererseits Zielgruppe für Werbetreibende. Je mehr Nutzer Google anziehen kann, desto attraktiver wird Google für Werbetreibende. Helfen die Werbeanzeigen, die Suchanfragen der Nutzer besser zu beantworten, steigt auch der Nutzen der Suchenden durch den Werbemarkt. Plattformen locken Nachfrager eines Marktes mit sehr günstigen Preisen oder einen Preis von null an (z.B. Leser), verkaufen dafür aber das andere Produkt auf dem zweiten Markt teurer (z.B. Werbung), abhängig von der Nutzerzahl auf dem ersten Markt. Suchende dürfen die Suchmaschine umsonst benutzen und Werbetreibende zahlen dafür, diese Nutzer erreichen zu können.

Wie wirkt sich Markteintritt auf einem solchen Markt aus? In normalen Märkten ohne Netzwerkeffekten sorgt der Wettbewerb dafür, dass die Mengen steigen, die Preise sinken und der Marktanteil jedes einzelnen Unternehmens abnimmt – die Konsumentenrente steigt. In Märkten mit indirekten Netzwerkeffekten wirkt jedoch noch ein weiterer Effekt: Ein Unternehmen kann die Netzwerkeffekt zwischen den beiden Kundengruppen besser berücksichtigen als viele. Die Single-Bar (das Dating-Portal) verbindet alle Singles miteinander. Gibt es zwei oder mehr davon, sind in jeder Bar immer weniger Singles anzutreffen als in der Monopolbar. Eintritts- und Getränkepreise werden vielleicht durch den Wettbewerb günstiger. Der Nutzen für den Besucher steigt aber nicht unbedingt.

Der positive Wettbewerbseffekt wird durch indirekte Netzeffekte abgeschwächt. Die Verbindung der beiden Märkte (Männer und Frauen, Sucher/Leser und Werbende) kann nicht mehr optimal genutzt werden. Werbekunden können nicht mehr so viele Nutzer über eine Plattform erreichen. Sind die beiden Märkte besonders stark miteinander verbunden, kann der positive Wettbewerbseffekt durch den negativen Effekt der indirekten Netzwerkeffekte überlagert werden. Dann ist ein Unternehmen besser als viele. Singles müssen sonst länger und in mehr Bars suchen, um einen passenden Partner zu finden. Die Suchkosten steigen.

Oft spielen auch andere Faktoren eine Rolle: Single-Bars können sich auf ein bestimmtes Klientel konzentrieren. Treffen also eine Vorauswahl (Singles mit Niveau). Auch Suchmaschinen spezialisieren sich häufig auf bestimmte Bereiche (Hotels, Flüge, etc.). Innerhalb jeder Kategorie muss aber mehr wiederum nicht besser sein, fünf zusätzliche Anbieter für Singles mit Niveau erhöhen wiederum die Suchkosten. Auch bei Zeitungen oder Fernsehsendern gibt es viele verschiedene. Allerdings unterscheiden sich diese Plattformen meist deutlich voneinander. Es kommt zu keiner perfekten Duplizierung.

Eine Beurteilung der Marktmacht und vor allem des Schadens, der dadurch entsteht ist nicht immer eindeutig. Der Einfluss und die Auswirkungen von indirekten Netzeffekten müssen berücksichtigt werden. Sind die Netzeffekte stark, können weniger Firmen oft besser sein, sind sie im Vergleich zu Produktdifferenzierung oder anderen Faktoren unwichtig, sind mehr Firmen besser. Nur, weil aber wenige Firmen indirekte Netzeffekte besser internalisieren können, heißt es aber nicht, dass diese nicht trotzdem ihre Marktmacht missbrauchen.

Mehr dazu: Einführung in die neue Ökonomie der Medienmärkte

 

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