Leistungssport schließt offenbar die Gender-Gap

Dass Fußballprofis deutlich mehr verdienen als die meisten anderen Sportler, ist bekannt. Dass Profifußballer auch mehr verdienen als Fußballerinnen, ist ebenso nichts Neues. Und dass vor allem gutbezahlte Profisportler nach ihrer Karriere oftmals einen Job ausüben, bei dem sie sich mit einem deutlich geringeren Einkommen zufrieden geben müssen, ist auch keine wirkliche Überraschung.

Wie aber wirkt sich eigentlich der Leistungssport auf die Zeit nach der aktiven Karriere aus? Profitieren ehemalige Sportler von ihren sportlichen Höchstleistungen? Entwickeln sie eventuell Charaktereigenschaften, die sie auch im späteren Berufsleben für sich nutzen können? Oder leiden sie vielmehr unter der Tatsache, dass sie kaum Zeit für ihre Ausbildung aufbringen konnten, da sie ständig mit Training und Wettkämpfen beschäftigt waren?

Um diesen Fragen nachzugehen, haben wir die Auswirkungen des Leistungssports auf den späteren beruflichen Erfolg der Athleten analysiert. Die Studie wurde anhand von Daten über ehemals von der Deutschen Sporthilfe geförderten Leistungssportlern durchgeführt. Profifußballer gehören jedoch nicht zu den untersuchten Sportlern – deren Einkommen ist dann typischerweise doch zu hoch, um eine Förderung zu rechtfertigen.

Im Ergebnis der Analyse zeigt sich, dass die Athleten nach ihrer aktiven Laufbahn ein um etwa 700 Euro höheres monatliches Einkommen erzielen als Personen, die nie Leistungssport betrieben haben, jedoch aufgrund ihres Alters, ihres Geschlechts, ihrer Ausbildung und ihrer Berufserfahrung grundsätzlich ähnliche Voraussetzungen aufweisen. Auch verdienen ehemalige Teamsportler mehr als ehemalige Einzelsportler. Zwar ist das Einkommen ehemaliger Sportlerinnen geringer als das ehemaliger Sportler – ebenso das Einkommensniveau von Frauen generell geringer als das der Männer. Jedoch führt der Leistungssport dazu, diese Lücke – die sog. „Gender-wage Gap“ – zu schließen. Ehemalige Leistungssportlerinnen verdienen nach ihrer sportlichen Karriere genauso viel wie männliche „Nichtsportler“.

Die Studie von Leonie Giessing (DICE) und Ralf Dewenter (HSU) liegt hier in der englischen Version „The Effects of Elite Sports on Later Job Success“ als Diskussionspapier vor. Eine deutsche Version ist auf Anfrage erhältlich.

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Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

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