Shell, hier zahlen Sie mehr

Seit Ende Mai bietet der Energiekonzern Shell nun schon eine Preisgarantie an. Diese soll, so einige Medien, den Wettbewerb „weiter verstärken“. Und auch Shell scheut keine Kosten und bewirbt seine Aktion kräftig. Es wird also höchste Zeit, sich diese Preisgarantie einmal näher anzusehen.

Wie bei einer Preisgarantie üblich, garantiert der niederländische Konzern seinen Kunden, einen bestimmten Preis. Normalerweise sind solche Garantien so gestrickt, dass sie Tief- oder zumindest Bestpreisegarantien darstellen, die dem Kunden versprechen, den günstigsten Preis der Konkurrenz zu unterbieten oder zumindest zu matchen. Der Verbraucher soll also davon ausgehen, dass diese Preise auch tatsächlich aus einem starken Preiswettbewerb resultieren. Dass dies nicht immer der Fall sein muss, zeigt die industrieökonomische Literatur. So können Preisgarantien auch durchaus als Mittel zur Preisabsprache dienen. Dem Kunden wird also nicht wirklich der günstigste Preis gewährt, sondern der Konkurrenz wird mit der Garantie ein Kartellpreis – also ein sehr hoher Preis – signalisiert, den dann alle setzen können, ohne unter unterboten zu werden. Die Message an die Wettbewerber lautet dann: „Einen geringeren Preis als den garantierten werde ich nicht setzen“.

Shell variiert die Preisgarantie nun aber noch ein kleines Stück. So wird nicht etwa der geringste Preis versprochen, sondern einer der über denen der Konkurrenz liegt! So besagt die Preisgarantie, dass Shell-Kunden maximal zwei Cent mehr bezahlen als die Kunden des günstigsten Konkurrenten. Zumindest hat man damit eine schriftliche Garantie, immer mehr bezahlen zu müssen, als andere Autofahrer.

Es kommt aber noch besser: Nicht alle Shell-Kunden kommen in den Genuss der Preisgarantie, sondern nur solche, die auch eine ClubSmart Karte benutzen, also Mitglied im Shell-Club sind. Alle anderen zahlen also noch mehr als die zwei Eurocent oberhalb des günstigsten Anbieters. Da Shell sowieso schon zu den teureren Marken gehört, lässt sich vermuten, dass dieser Preis damit einiges über den Preisen anderer Tankstellen liegt.

Last not least vergleicht Shell seine Preise auch nicht mit allen Konkurrenten, sondern lediglich mit denen der anderen Markentankstellen. Diese sind in aller Regel (z.T. deutlich) teurer als die freie Konkurrenz, was wohl dazu führt, dass die zwei Eurocent mehr sich eher auf das obere Preissegment beziehen.

Eines lässt sich also jetzt schon vermuten: „Bei Shell zahlen Sie garantiert mehr“.

Und tatsächlich, schaut man sich die Daten, die die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS) seit Ende 2013 erhebt – und uns freundlicherweise von Spritpreismonitor.de zur Verfügung gestellt wurden –, einmal genauer an, so kommt man zu einem interessanten Ergebnis. Seit der Einführung der Preisgarantie, verlangt Shell tatsächlich (je nach Kraftstoff) 1-3 Eurocent mehr pro Liter. Dies gilt im Vergleich zu anderen Anbietern und unter Berücksichtigung der zeitlichen Preisentwicklung und der Entwicklung des Rohölpreises (vgl. Dewenter und Schwalbe, 2015). Die Preisgarantie hat also dazu geführt, dass die Preise bei Shell gestiegen sind.

Die Preise der HEM-Tankstellen, die eine schon zwei Monate vor Shell eine echte Bestpreisgarantie eingeführt haben, sind übrigens um weniger als einen halben Cent gefallen. Auch das ist nicht sehr viel. Aber zumindest sind die Preise hier nicht gestiegen.

Es gilt also tatsächlich: Bei Shell zahlen Sie garantiert mehr!

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Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

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