Korrupt sind immer nur die anderen…

Eigentlich müsste jetzt, da ein Bestechungsversuch zur WM 2006 wohl nachweisbar ist, ein Aufschrei über die FIFA, die UEFA, den DFB und andere Verbände ertönen. Aber so richtig verwundert es scheinbar niemanden, dass auch die Vergabe an Deutschland, das vielzitierte Sommermärchen, nur durch „geschickte Überredungskunst“ realisiert werden konnte. Warum sollte man auch sonst die WM an die allerorts beliebten Deutschen geben? Die etlichen Unregelmäßigkeiten, die sonst an der Tagesordnung waren, treffen auf „unsere“ WM doch nicht zu. Genauso wie der Sport – insbesondere die Sportarten, in denen viel Geld verdient werden kann – nicht mehr ohne Doping funktioniert, genauso ist wohl auch die Korruption an der Tagesordnung.

Die wirklich spannende Frage ist daher eher, wie es weiter gehen soll. Soll man Doping und Korruption einfach zulassen? Hierfür lassen sich durchaus (auch ökonomische) Argumente finden. Aber dann gewinnen halt in der Regel die Mannschaften, die sich die besten Ärzte leisten und/oder das meiste Geld investieren können bzw. wollen, um die Schiedsrichter und Gegenspieler oder aber Vergabekomitees zu bestechen. Oder möchte man – und auch dafür spricht einiges – einen saubereren Sport?

Oft hört man, dass die „Alten Männer“ bei den Verbänden das Problem seien. Doch bei FIFA und UEFA ändert sich auf Dauer nichts, wenn nur Personen ausgetauscht werden. Menschen reagieren auf Anreize. Und solange Monopolrechte wie die WM-Austragung per Abstimmung einiger weniger vergeben werden, wird sich durch einen Austausch der Entscheidungsträger nichts ändern. Auch die neue Generation der Sportfunktionäre unterliegt irgendwann den gleichen Anreizen wie die aktuelle. Will man Korruption wirklich bekämpfen, helfen vor allem Novellierungen bei der Vergabe der Rechte.

Zwar lassen sich auch Strafen und Überwachungsausgaben stark erhöhen, um Korruption weniger attraktiv zu machen. Jedoch ist es vermutlich einfacher, gleich die Anreize zum Fehlverhalten zu verändern. Eine reine Zufallsvergabe, könnte zum Beispiel eine Möglichkeit sein, Korruption zu unterbinden. Die Frage ist nur, wer überwacht dann die Lotterie?!

Share and Enjoy:
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • email link Korrupt sind immer nur die anderen…
  • Twitter
Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.