Der Schweizer Staat steigt nun auch ins Werbegeschäft ein

Die Schweizer Wettbewerbsbehörde, WEKO, hat gerade einem Joint Venture zwischen dem Medienunternehmen Ringier, der Swisscom sowie der SRG, also der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft ohne Auflagen durch gewunken. Der Wettbewerb würde dadurch nicht beeinträchtigt.

Die SRG ist zwar ein privatrechtlicher Verein, hat jedoch einen gesetzlichen Auftrag und erhält ebenso einen erheblichen Teil der Rundfunkgebühren – sie ist also das Schweizer Pendant zu ARD und ZDF. Das Bundesamt für Kommunikation hat allerdings verfügt, dass die SRG zunächst nicht aktiv werden darf.

Die Kooperation der Unternehmen stellt eine Werbe-Allianz dar und zielt auf die Vermarktung von Werbeflächen bzw. -zeiten ab. Durch das Gemeinschaftsunternehmen, will man als Vermarkter mit den großen Internetwerbeplattformen entgegen treten. Von der Zusammenarbeit mit der Swisscom, dem ehemaligen Telekommunikationsmonolisten, versprich man sich wohl eine stärkere Nutzung von individuellen Daten. Die Kooperation mit der SRG könnte auf cross-mediale Effekte abzielen.

Das Joint Venture wirft aber einige Fragen auf: So ist zunächst fraglich, wie sich der Wettbewerb am Werbemarkt durch die Kooperation verändert. Eine Einschätzung ist stark von der Marktabgrenzung abhängig, es spricht allerdings viel dafür, dass man den Werbemarkt über die Medien hinaus definieren muss. Ob allerdings die Zusammenarbeit, wie angedacht, gegen Google, Facebook & Co. erfolgreich sein wird, ist fraglich. Viel wahrscheinlicher ist es, dass andere private Medienunternehmen den Wettbewerbsdruck spüren werden.

Eine weitere Frage ist, inwiefern der Datenschutz betroffen ist. So kann die Swisscom auf Informationen ihrer Kunden zurückgreifen und diese in das Joint Venture einbringen. Zwar nutzen auch Google und andere Plattformen die Daten, die sie selber erheben, jedoch ist dies dem Nutzer auch mehr oder weniger bekannt. Ob die Swisscom-Kunden, insbesondere die Bestandskunden, in die Nutzung der Daten einwilligen würden? Man müsste sie wohl zumindest dazu befragen.

Der gewichtigste Punkt erscheint aber die Frage, inwiefern ein quasi staatliches Unternehmen, das einen Großteil der Rundfunkgebühren erhält, an einer Werbekooperation teilnehmen sollte. Zum einen besteht am Werbemarkt (und wohl auch bei den meisten Inhalten) kein Marktversagen. Es gibt also überhaupt keine Legitimation für einen „Staatseingriff“. Zum anderen läuft die SRG Gefahr, sich zu sehr an den Werbekunden ausrichten zu müssen, wenn sie sich noch stärker über Werbeeinnahmen finanziert. Eine unverzerrte Berichterstattung erfordert gerade die Unabhängigkeit von jeglichen Interessenvertretern, auch die der Werbekunden. Der Schweizer Staat sollte also – auch (und erst recht) nicht über die SRG – in das Werbegeschäft einsteigen.

Share and Enjoy:
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • email link Der Schweizer Staat steigt nun auch ins Werbegeschäft ein
  • Twitter
Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

1 Kommentar

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.