„Lügenpresse, Lügenpresse…“

Um es klar zu sagen: Natürlich sind die Vorwürfe der „Lügenpresse“, die sich insbesondere gegen die Öffentlich-Rechtlichen wenden, totaler Unfug. Und auch Formulierungen wie Pinocchio-Presse o.ä. machen es nicht besser, nicht einmal lustiger.

Dennoch hat es gerade in letzter Zeit Anlass zur Kritik an den Medien gegeben: Die Berichterstattung über die Ereignisse von Köln ist hier zu nennen und auch die Äußerungen einer WDR-Journalistin bezüglich einer regierungsfreundlichen Agenda sind befremdlich. Ebenso bedenklich ist, dass der SWR relativ schnell (wenn auch nur zeitweise) eingeknickt ist und die „Elefantenrunde“ zu den Landtagswahlen, auf Druck der Politik, verkleinert hat. Dies wirft kein gutes Bild auf den Sender, aber auch nicht auf die Politik.

Gerade die Öffentlich-Rechtlichen sollen ausgewogen berichten. Wenn es einen öffentlichen Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio gibt, dann besteht dieser doch wohl vor allem darin, politische, gesellschaftliche, ökonomische und ähnliche Informationen ausgewogen und möglichst unverzerrt zu transportieren. Die Politik sollte sich ebenso demokratisch, d.h. argumentativ mit anderen Meinungen auseinandersetzen.

Aber wie ist es um die Ausgewogenheit der Medienlandschaft generell bestellt? Das politische Spektrum der Medien in Deutschland ist relativ breit. Für jede Meinung ist im Prinzip etwas dabei. Auch ausgefallene, mitunter skurrile, Positionen werden dabei in aller Regel transportiert. Genau das muss eine Demokratie aber auch aushalten.

Die Öffentlich-Rechtlichen decken dabei ebenfalls ein relativ breites politisches Spektrum ab. Bewertet man z.B. die politischen TV-Sendungen von ARD und ZDF bezüglich ihrer Inhalte, so lässt sich eine bestimmte Verteilung der einzelnen Sendungen links und rechts der Mitte, also einer „völlig neutralen Berichterstattung“ feststellen. Völlig neutral würde in diesem Fall bedeuten, dass immer mit der gleichen Tonalität (also immer gleich positiv, negativ oder bestenfalls neutral) über die Parteien und Politiker berichtet wird. Dies ist jedoch zum einen kaum möglich, zum anderen ist es auch nicht sinnvoll; jedenfalls nicht, im Sinne der Vielfalt und einer informativen Berichterstattung.

Die durchschnittliche Tonalität von z.B. „Report aus Mainz“ und „Report aus München“ unterscheiden sich so doch sehr stark voneinander. Sie bilden – auch im Vergleich mit privaten Sendungen und Printmedien – quasi gegenüberliegende Positionen. Dieses Ergebnis ist wenig überraschend und auch Ausdruck der Binnenpluralität. Innerhalb der öffentlich-rechtlichen Medien sollen natürlich unterschiedliche Meinungen zum Ausdruck gebracht werden. Anders als von dem einen oder anderen Verschwörungstheoretiker vermutet, benötigt es dazu aber keiner Steuerung der Medien durch die Politik. Es gibt vermutlich auch keine Anrufe, wie eine Sendung auszusehen hat oder wie ein Bericht gestaltet werden soll. Die poltische Agenda wird vielmehr durch die Mitarbeiter festgelegt. Auch Journalisten haben eine Meinung und vertreten diese entsprechend. Und solange eine Vielfalt an Angeboten existiert, ist das auch wenig problematisch. Bedenklich wäre es, wenn dauerhaft eine systematische Verzerrung stattfinden würde oder massiv politisch Einfluss genommen würde.

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Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

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