Neue Formen der Kollusion in der digitalen Welt

Zugegeben, über die folgenden ersten beiden Sätze den Artikels „So leicht werden Unternehmen zum Fall fürs Kartellamt“ musste ich schon schmunzeln:

Die digitale Revolution ist für den (deutschen) Juristen ein Problem an sich. Er braucht Konsistenz und Vorhersehbarkeit (sprich Rechtssicherheit), um präzise zu arbeiten und nachts ruhig zu schlafen.

Dennoch adressiert dieser Artikel ein relevantes Problem: Die Digitalisierung erlaubt neben den riesigen positiven Effekten auch ganz neue Formen des kollusiven Verhaltens und ebenso des Missbrauch von Marktmacht. Ein kollusiver Informationsaustausch zwischen Unternehmen, ist z.B. viel einfacher möglich, ohne dass Kartellbehörden Notiz davon nehmen. Eine automatisierte Preissetzung kann einfach über Software vorgenommen werden. Und auch eine Diskriminierung von Verbrauchern kann viel leichter durchgeführt werden.

Auch sind neue Formen der Absprache möglich. So kann ein Anbieter von Online- oder Software-Plattformen, der einige oder alle Konkurrenten in einem Markt bedient, eine Kollusion zwischen diesen Wettbewerbern ermöglichen. Dies kann bewusst oder unbewusst, mit oder ohne Einwilligung der betroffenen Unternehmen geschehen. Es können auch hier Informationen ausgetauscht oder gemeinsame Geschäftsbedingungen über die Plattform festgelegt werden. Die Wirkung ist jedoch auch in digitalen Märkten in der Regel genauso negativ wie der analogen Welt.

Für die Ökonomik eröffnen sich völlig neue Forschungsfragen. Die Wettbewerbsbehörden werden vor allem vor neue Herausforderungen gestellt.

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Ralf Dewenter
Ralf Dewenter
Prof. Dr. Ralf Dewenter Helmut-Schmidt-Universität Universität Holstenhofweg 85 22043 Hamburg

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