Big Data – Datenschutz vs. Innovation

Im vorherigen Blog-Beitrag wurde das neue Arbeitspapier des Bundeskartellamts „Marktmacht von Plattformen und Netzwerken” vorgestellt. Dabei lag der Fokus vor allem darauf neue Methoden zur Marktabgrenzung und zur Bestimmung der Marktmacht in der digitalen Ökonomie zu entwickeln oder bestehende Methoden anzupassen. Das ist jedoch nicht die einzige Herausforderung, die sich durch die digitalen Märkte ergeben.

Die „BCCP Inaugural Conference – Regulatory Challenges in Digital Markets: Privacy” hat sich zum Beispiel mit den Herausforderungen im Bereich Datenschutz und Privatsphäre beschäftigt, die sich in der digitalen Ökonomie für die Aufsichtsbehörden, aber auch für die Unternehmen und Konsumenten, ergeben.

Online scheint es uns deutlich schwerer zu fallen unsere eigenen Daten zu schützen als wir dies offline tun. Den Nutzern ist nicht bewusst, wie viel Informationen sie den Unternehmen tatsächlich zur Verfügung stellen und wie diese Daten genutzt werden. Daten, die zu verschiedenen Zeitpunkten auf unterschiedlichen Plattformen gesammelt wurden, werden von den Unternehmen kombiniert. So entstehen große Datensammlungen (Big Data), die wertvolle Informationen für die Unternehmen enthalten. Auch mit Blick auf die Bewertung von Fusionen scheint dies ein wichtiger Punkt zu sein (z.B. Facebook/WhatsApp). Bisher wurden diese Gesichtspunkte jedoch meist nicht vorrangig betrachtet. Die Europäische Kommission arbeitet derzeit an dem EU-US Privacy Shield. Dabei geht es vor allem darum den Konsumenten mehr Kontrolle über Ihre Daten zu geben. Aber auch um eine höhere Transparenz: welche Daten werden erhoben und gespeichert. Doch kann diese höhere Transparenz den Wettbewerb zwischen den Unternehmen verstärken? Es erscheint zwar plausibel, dass Nutzer die Plattform auswählen werden, die einen besseren Schutz Ihrer Daten verspricht. Allerdings spielt nicht nur der Schutz der Privatsphäre eine Rolle bei der Entscheidung, welche Plattform man nutzt, sondern beispielsweise auch wie groß die Anzahl der Nutzer ist (siehe WhatsApp). Daneben soll es aber auch regelmäßige Kontrollen geben um sicherzustellen, dass die Unternehmen die Richtlinien einhalten. Bisher scheint dies noch recht selten der Fall zu sein. Auch weil es schwierig ist die umfangreichen Verträge zu überprüfen.

In der digitalen Ökonomie scheint es auch von den Rahmenbedingungen und dem Design der Plattform abzuhängen, wie viel Informationen von den Nutzern preisgegeben werden. Die Unternehmen sind sich bewusst, dass sie das Verhalten der Konsumenten hinsichtlich der Bereitstellung von Daten beeinflussen können. Viele Nutzer sehen beispielsweise Standardeinstellungen als Empfehlung an und setzen Vertrauen in diese Einstellungen. Unternehmen werden diese Einstellungen also so wählen, dass möglichst viele relevante Informationen von den Nutzern bereitgestellt werden.

Für die Nutzer kann es aber auch von Vorteil sein, wenn Unternehmen Daten über sie sammeln, z.B. bei personalisierter und zielgerichteter Werbung. Bei Google kann der Nutzer die Daten, die zur Personalisierung verwendet werden, selbst in seinem Google-Account auswählen und zusätzlich Interessen angeben um die Personalisierung noch weiter zu verbessern.

Grundsätzlich spielen Plattformen eine große Rolle, da sie zwischen den Unternehmen und dem Kunden stehen. Plattformen wie Google oder Amazon können ihre Produkte (z.B. Suchergebnisse) immer weiter verbessern, je mehr Daten zur Verfügung stehen. Durch nutzerbasierte Daten kann der Suchalgorithmus verbessert werden, was wiederum dem Nutzer zu Gute kommt.

Da die Plattformen aber einen großen Einfluss auf das Verhalten der Konsumenten haben, besteht die Gefahr, dass dies von den Plattformen ausgenutzt wird. Jeder Browser hat zum Beispiel schon eine vorab festgelegte Standard-Suchmaschine. Die Suchmaschinen sind also zum Teil abhängig von einem Browser, der bereit ist sie zu unterstützen. Natürlich können diese Standardeinstellung meist problemlos und schnell verändert werden, jedoch scheinen viele Konsumenten davon keinen Gebrauch zu machen.

Die Wahl der Suchmaschine ist also häufig keine der Konsumenten, sondern eine vertragliche Vereinbarung zwischen Plattformen. Viele Plattformen sind wohl auch aufgrund dieser Abhängigkeit in verschiedenen Märkten tätig (Betriebssystem, Browser, Smartphones, Suchmaschinen). So können sie sich den Zugang zu den Nutzern sichern. Diese marktübergreifenden Kontakte können den Wettbewerb in der digitalen Ökonomie verstärken, führen aber auch dazu, dass die Unternehmen die verschiedenen Informationen gebündelt sammeln. Durch die Interaktion der verschiedenen Produkte können Konsumenten außerdem gezielt zu den eigenen Produkten gelenkt werden und es besteht die Gefahr, dass dies von den Unternehmen ausgenutzt wird.

Big Data und deren Nutzung erfordert also nicht nur Anpassungen des Verbraucherschutzes, sondern auch in der Wettbewerbspolitik wird es in Zukunft wichtig sein, die Datensammlung und -nutzung in wettbewerbspolitische Entscheidungen mit einzubeziehen.

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