Die Öffentlich-Rechtlichen und der Kampf um Olympia

Knapp 3 Mio. Fernsehzuschauer täglich verfolgten im August Tag und Nacht die olympischen Spiele in Rio auf ARD und ZDF. Den höchsten Marktanteil bescherten die deutschen Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst im Halbfinale gegen Brasilien mit knapp 30 Prozent (Das Finale fand um 5 Uhr morgens statt und zog weniger Menschen aus dem Bett vor den TV.). Traumhafte Einschaltquoten für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – teuer ersteigert mit Hilfe der Rundfunkbeiträge.

Doch das könnte für die kommenden Sommer- und Winterspiele ganz anders aussehen, denn das IOC hat die TV-Rechte für die acht Olympischen Spiele zwischen 2018 und 2024 an den Eurosport Mutterkonzern Discovery Communications vergeben. Das ist ein Novum, denn bisher war die Verhandlungsposition des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beim Poker um die Übertragungsrechte von Olympia dank gedeckter Schecks immer sehr gut, nur diesmal reichte sie wohl nicht aus. Welche strategischen Überlegungen seitens des IOC da genau hinter stehen ist für Außenstehende nur schwer zu beurteilen – es ist beispielsweise die Rede davon, dass der Medienkonzern sich verpflichtet hat, gemeinsam mit dem IOC einen neuen Olympia-Kanal zu entwickeln – klar ist jedoch, dass hinter der Rechtevergabe ein wirtschaftliches Kalkül steckt. Der Meistbietende darf über die Austrahlung der Olympischen Spiele verfügen. Discovery darf also auch Sublizenzen an Dritte veräußern, also auch an ARD und ZDF. Und genau das wird jetzt auf Seiten des öffentlich rechtlichen Rundfunkes geprüft. Aber wieso überhaupt?

Im Grunde ist die Tatsache, dass die Rechte an einen privaten Sender gingen der Beweis dafür, dass keine Rundfunkbeiträge dafür aufgewendet werden müssen. Denn die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist es, einen gesellschaftlich gewünschtes Rundfunkangebot sicherzustellen, wenn der Markt dies nicht alleine erbringen kann. Allen Anschein nach, kann der Markt das sehr wohl erbringen. Die Kosten werden dann nicht über einen Großteil der rund acht Mrd. Euro Rundfunkbeträge gedeckt, die deutsche Haushalte jährlich als Rundfunkbeitrag bezahlen, sondern über die Werbeeinnahmen, die private Sender während der Ausstrahlung verdienen (Im Übrigen haben auch ARD und ZDF kräftig abkassiert bei Nike, Telekom und Co.).

Überhaupt ist die Begründung, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk Vielfalt gewährleisten muss, für viele Bereiche hinfällig. Sie stammt aus einer Zeit, zu der das Angebot an TV-Sendern auf wenige Sender beschränkt war – einfach, weil die Technologie für mehr Angebot noch nicht vorhanden war. Im Jahr 1988 lag die Anzahl der durchschnittlich pro Haushalt empfangenen TV-Sender bei sieben, 2015 waren es 78. Hinzu kommen zahlreiche Video-on-Demand Angebote die neben dem Internet für eine große Bandbreite der Meinungsvielfalt sorgen. Natürlich könnte man argumentieren, dass gewisse olympische Sportarten nicht gezeigt werden, weil einfach die Nachfrage hierfür nicht da ist. Aber erstens haben ARD und ZDF mit Sicherheit auch auf solche Sportarten gesetzt, die in der Vergangenheit die meisten Zuschauer vor den Bildschirm gelockt haben. Zweitens, werden auch zukünftig alle Sportarten im Internet Stream zu verfolgen sein. Und das ganz ohne Rundfunkbeiträge.

Bei allen Vorteilen für die Meinungsvielfalt, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk (z.B. im Bereich politischer Berichterstattung) mit sich bringen mag,  besteht zumindest was sportliche Großereignisse betrifft keinerlei Existenzberechtigung.

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