Algorithmic Pricing – Neue Herausforderungen für die Wettbewerbsbehörden?

Hört man das Wort Algorithmus denkt man sofort an den Suchalgorithmus von Google oder anderen Suchmaschinen, die schon von verschiedenen Wettbewerbsbehörden untersucht wurden. Doch auch die sogenannten Preisalgorithmen oder Preisfindungsalgorithmen gewinnen immer mehr an Bedeutung.

In vielen Bereichen findet die automatisierte Preissetzung bereits Anwendung. Mit diesen Programmen können die Preise der Wettbewerber überwacht und der eigene Preis kann automatisch angepasst werden. Dank der Digitalisierung können große Datenmengen gesammelt werden, die dann wiederum bei der Berechnung der Preise berücksichtigt werden können.

Vor allem im E-Commerce werden solche Algorithmen bereits eingesetzt. Aber auch andere Online-Portale nutzen algorithmic pricing. Online-Händler verwenden dynamische Preisalgorithmen, um ihre eigenen Preise an die Preise der Wettbewerber anzupassen. Aber auch in anderen Bereichen ist es möglich eine automatisierte Preissetzung zu etablieren. Im Tankstellenmarkt besteht diese Möglichkeit beispielsweise, da die Preise aller Tankstellen über die Markttransparenzstelle allen Marktteilnehmern zur Verfügung stehen.

Konkurrierende Preisalgorithmen können aber auch in unerwarteter Weise interagieren. Dies kann dann schnell zu einer ineffizienten und unerwünschten Preissetzung führen. Der Verkauf des Buchs „The Making of a Fly“ von zwei verschiedenen Händlern auf Amazon ist hierfür ein prominentes Beispiel. Da die konkurrierenden Verkäufer in ihren Algorithmen keine Preisobergrenze festgelegt hatten, ergab sich am Ende ein Preis von 23 Mio. Dollar.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Ausgestaltung der Preisalgorithmen von großer Bedeutung für die Unternehmen ist. Denn nur dann führt die automatisierte Preissetzung zu effizienten Ergebnissen.

Wettbewerbsbehörden sollten den Preisalgorithmen aber nicht generell misstrauisch gegenüberstehen, da diese Programme durchaus zu einer effizienteren Preisgestaltung führen können und den Wettbewerb verstärken können. Da Unternehmen die Algorithmen aber auch für kollusive Absprachen verwenden können, sollten die Wettbewerbsbehörden die Preisalgorithmen aufmerksam beobachten. Algorithmen erleichtern das Überwachen von Absprachen. Ein Abweichen wird vom Programm direkt identifiziert und kann dann auch sofort bestraft werden. Ein Abweichen wird damit unattraktiv und eine automatisierte Preissetzung stabilisiert das Kartell.

Für Wettbewerbsbehörden wird es in Zukunft also wohl immer wichtiger die Preisalgorithmen und vor allem das Zusammenwirken der Algorithmen konkurrierender Unternehmen zu verstehen.

Außerdem sollte die weitere Entwicklung der Algorithmen beobachtet werden. Bisher wurde die Möglichkeit betrachtet, dass Unternehmen die Programme nutzen um Preisabsprachen durchzusetzen. Eine andere Möglichkeit könnte sein, dass selbst-lernende Algorithmen zu dem Ergebnis kommen, dass eine Absprache ein effizientes Ergebnis ist. Die EU-Kommissarin für Wettbewerb Margrethe Vestager fordert die Unternehmen deshalb auf bei der Ausgestaltung ihrer Algorithmen die kartellrechtliche Compliance zu berücksichtigen, da am Ende nicht die Computerprogramme die Verantwortung für das Ergebnis tragen. Die Algorithmen müssen deshalb so programmiert werden, dass es ihnen nicht möglich ist mit konkurrierenden Algorithmen zu kolludieren.

 

 

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